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Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen · 1904-08-01 · Heft 8 (1.8.1904) · p. Seite 176

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Journal
Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
Volume
24 (1904)
Issue
Heft 8 (1.8.1904)
Date
1904-08-01
Page
Seite 176 (sequence 10)
Language
German
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af; er ging nach Budapest Gemeinde als Aufseher in von da aus brach er nach einem halben Jahre wieder zurück und steht seitdem im Dienste der israelitische» einer Metzgerei. Moritz, der in Amsterdam blieb, kam mit seinem! Vater während der verflossenen 20 Jahre »»: ein einziges Mal zusammen, und zwar im Jahre 1899, als er im vollsten Inkognito nach Budapest reiste. Er verkehrte außer mit seinen Eltern und Geschwistern mit niemanden. Nach fünftägigem Aufenthalt kehrte er «ach Amsterdam zurück. Gerne wurde ei seinen alten V!ater wieder besuchen, aber <8 geht ihm jetzt, wo er durch den Streik der Diamantschleifer seit vier Monaten ''ohne Arbeit ist. nicht gut. Unter normalen Verhältnisse verdient er wöchentlich .25 Gulden, wovon er als alleinstehender jünger Mann lieben kann. Ans Heiraten denkt-er nicht. Wozu auch? Daß mifn einst auf seine Kinder mit Fingern zeige: »Der Vater dieser Kinder war der berühnite Moritz Schärf!" Sein ganzes Wesen, seine Auffassung verraten den viel belesenen, intelligenten, senkenden Arbeiter. Seine Sprechweise ist einfach, ohne Pose, wenig erregt. Man lnerkt, daß er über sein Weisheit ist das Resuld Schicksal viel nachgedacht hat Und eine gewisse Lebenst. seiner Erfahrung. Hie und dq vertieft er sich in die Vergangenheit, aber er!fühlt sich nicht schuldig, er war bloß das Werkzeug anderer. Ich zeigte ihm oas Werk von Karl Eötviis*), sein Interesse blitzte auf. Er bat mich, ihm einige auf ihn Bezug habende Stellen zu übersetzen. Ich nahm alle Kapitel, die auf ihn Bezug hatten, der Reihe nach vor. Die Leichenschwämmungsgeschichte interessierte ihn weniger, aber als ich'zu jenem Teil kam, welcher von dem französische» Königssohn erzählt, der gegen seine Mutter Zeugenschaft ablegt und seine Mutter, die Königin, der allerniederträchtigsten Unzucht beschuldigt, da verfehlt diese meisterhafte Darstellung ihre Wirkung nicht: Verstohlen suchte er nach seinem Taschentuch und konnte kaum seine Erregung verbergen. Meine c^iize Roste beginnt eigentlich dort, sprach er, als man mich in jener denkwürdigen Nacht im Danse des Bandi Recsky verhörte. Anfangs sagte ich die Wahrheit» öfters wurde ich verhört, und immer sagte ich dasselbe: „Eßter Solypiosi kenne ich nicht, im Tempel hat sich nichts zugetragen, nur! Probegesang wurde abgehalten." Dies war ant Vormittag. — Abends nach dem Abendgebet verhandelten zwei Juden in einer strittigen Branntweinangelegenheit. Ass kleiner Knabe, der ich war, stößte mir der Umstand allein, daß ein Gendarm mich! vor den Richter führte. gräßlichen Schrecken ein. — Josef Nagy — stand Ein Gendarm, ich erinnere mich noch auf seinen Namen während des Verhörs immer hinter mir. Am 22. Mai 1882 — dieses Datum werde ich 'man mich von Tisza-Eßlar nach Nagyfplln zu Reszky. 1 nie vergessen — führte In den Nachtstunden *) Karl Eötvös, der berühmte Verteidiger im Tisza-Eßlaer-Prozeß, hat die Geschichte dieses Prozesses veröffentlicht! unter dem Titel: Ein Prozeß, der taufend Jahre währt und Noch nicht zu Ende ist.

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