Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Journal
- Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Volume
- 24 (1904)
- Issue
- Heft 8 (1.8.1904)
- Date
- 1904-08-01
- Page
- Seite 173 (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
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n. > M. A.! Ist tescbuboh der erste, so ist Tefillo daS Gebet, der zw ei.tW^ um Gott zu finden. Freilich wird dieser Weg, insbesondere, von modernen Israeliten, höchst selten ausgesucht, meist nur dann, wenn Wolken aar^ Lebenshimmel sich zeigen und Blitze auS Himmelshöhen daruhige und behilfliche Dasein unterbrechen. Wahrlich, da könnte Gott auch unS zurufen, wie seinen Brüdern: „Warum kommet ihr gerade jetzt zu mir, wo es euch schlecht Kcht, wo ihr in Not und Bedrängnis seid?" Wohl bedarf Gott nicht unserer Gebete, Itjen doch bereits im Buche Hiob: Wenn du fromm bist, was gibst du Gott, oder BK#:,, empfängt er aus deiner Hand?" *) Für den Menschen aber ist da- Gebet -v wendig, nicht nur, weil es ihm Herzensbedürfnis ist, sich in der Not an Gottes .. Vaterherz zu werfen, nicht nur, weil es ihm Kraft gibt, aufrecht zu stehen in den Stürmen des Lebens, sondern auch, weil es ihn läutern und veredeln. w«l eS zu Gottes Vaterherz zurückführen soll. Freilich darf das Gebet nicht zu einem lefytk^ Lippenwerke herabsinken, nicht wie ein tägliches Pensum aufgefaßt werden, da- |ft absolvieren ist, freilich darf das Gebet uns nicht verleiten zu^dem Gedanken, fca&, damit schon alles getan ist, denn sonst gilt für uns des Propheten Wort: »MW Irr tarbu tefilloh, enneni schomea eschem“ „ihr könnet noch soviel beten, ich erhöre euch nicht".**) Unsere Weisen nennen das Gebet „aboda schcbelev“.***) „He dienst", und ein Herzensdienft muß das Gebet uns werden, wenn es zu Gott n«W zurückführen soll. Nicht blos unsere Wünsche, unsere Hoffnungen, unseren Kummer unsere Leiden, auch nicht allein unsere Huldigungen sollen wir vor GotteS S bringen, sondern auch eingedenk bleiben der Worte in unseren Gebeten libsnu leobdecho beemes“ „Läutere unser Herz, dir in Wahrheit zu buten*. Der aber nur dient Gott in Wahrheit, bei dem das Gebet läuternd wirkt auf sein Leben, aus sein Tu» und Lassen. Beten wir beispielsweise: ^alobet sebsobe^H wiiu lefonecho beloschaun lioro“ „Verzeihe uns, wenn wir gesündigt durch üblr Nachrede über unsere Nebenuienschen," so erwächst uns daraus die heilige PfWH den guten Ruf unserer Nebenmenschen nicht zu zerpflücke», als wäre er üichts weiter, als ein welker Kranz, zerrissen von spielender Kiudeshand. Beten wir: „al cliet schechotonu lefonecho bezorus ojin“ „Verzeih uns die Sünden» wir durch Mißgunst und Neid begangen", so erwächst uns daraus die heilige Pst den Wurm des Neides in unserem Herzen zu zertreten. Wenn wir das Gebet vo»Z diesem Standpunkte auffassen, dann wird sich erfüllen an uns das Wort: bi tidreschenu bechol lebobcho ubechol naisehecho" „D U wirst GottZ uchst ihn mit ganzem Herzen und Ml finden, ganzer denn du Seele!" *) Hiob. Kp. 35, 7. **) Jesaia 1. 15. ***) Talmud babli Taanith 2 a. 3 -H