Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Journal
- Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Volume
- 24 (1904)
- Issue
- Heft 8 (1.8.1904)
- Date
- 1904-08-01
- Page
- Seite 171 (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
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— 171 — Gelehrter der am Anfänge der vierzehnten Jahrhundert» lebte,*) ruft in eine« feiner Werke betitelt! „vasnorao hamoaur“ „Hellstrahlender Leuchter" Israel z«: Seht, die Bekenner anderer Religionen geißeln ihren Körper auf den Rat ihr« Priester bis Hufs Blut, um Versöhnung von Gott zu erlangen, von dir aber, o Israel, verlangt die Thora nichts anderes, als zurückzukehren zu Gott, mit ganzem Herzen und mit ganzer Seele.**) Ja, ml A-, das Wort „teschuboh“ heißt in seiner wörtlichen Übersetzung nicht Buße, sondern Rückkehr zu Gott. Um aber zu Gott zurückzukehren, müffttk auch wir den „hellstrahlenden Leuchter" zur Hand nehmen, müssen hinein lenken in unser Herz und dürfen nicht zurückschrecken vor der Wahrheit, die uns auf de« Herzensgrund ein Spiegelbild unseres Lebens zeigt. Als auch ich vor Kurzem jenen goldenen Leuchter zur Hand nehmen wollte, um in mein eigen Herz zu leuchten und in das Herz meiner Mitmenschen, da sanken die müden Augenlid« mir zu und ich schlief ein. Da sah ich im Traume einen Riesenspiegel, der die wunderbare Eigenschaft besaß, nicht bloß die äußere Gestalt der Menschen wird« zu geben, sondern auch ihre inner» Gedanken und Gesinnungen zu beleuchten. Ich sah alsdann, wie eine Gruppe von Glaubensgenossen ans verschiedenen Ländern vor jenen Spiegel hintrat und sprach: „Wir legen täglich tefiUin, wir halten auch sonst die Gesetze, die unsere Religion vorschreibt, gilt die teschuboh auch für un»7 Und der Spiegel beleuchtete jene Männer in ihrer wahren Gestalt, denn sie hörten aus dem Spiegel eine unsichtbare Stimme, die ihnen zurief: Auch i h r müsset Buße tun, denn das Anlegen der tsMiu ist bei euch nur „mizwas anoschim melnmodoh1, „angelerntes Menschengebot", ihr achtet nicht auf den Gedanken, der in den tefillin ausgesprochen ist. Ihr leget zwar die Tefillin an der Hand gegenüber dem Herze», achtet aber nicht auf die Bedeutung jenes Gebotes „neki kapajim ubar lebob“ „reine Hand" „reines Herz" mußt du dir im Leben bewahren, nicht darf unrecht Gut beschmutzen deine Hand, nicht darf unrecht Gut beflecken dein Herz. Da trat eine zweite Gruppe von Glaubensgenossen vor jenen Wunderspiegel und sprach: Wir legen keine tetillin, wir und auch unsere Frauen kümmern ün» gar nicht um die religiöse» Gesetze und um die religiösen Institutionen, aber wir sind gebildet und geben unseren Kindern eine moderne Erzichung, gilt die tssobubot» auch für uns? Und der Spiegel beleuchtete auch jene Männer und Frauen in ihrer wahren Gestalt, denn sie hörten aus demselben eine unsichtbare Stimme, die ihnen zuries: Glaubet ihr denn wirklich, Bildung und Erleuchtung liegt darin, daß ihr lau und gleichgiltig geworden seid gegen jedes religiöse Leben und gegen unsere religiöse» Institutionen, die durch Jahrtausende geheiligt und, wenn richtig verstände», für die Bildung des Charakters und die Willenstärke vom höchsten Werte sind. *) Jsak Aboab. ") vgl. ü. Abschnitt, Kp. 4.