Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Journal
- Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Volume
- 24 (1904)
- Issue
- Heft 7 (1.7.1904)
- Date
- 1904-07-01
- Page
- Seite 165 (sequence 23)
- Language
- German
- Belongs to
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Weisheit überströmte, ist längst verstummt. Aber seine unsterblichen Gedanken de» erlauchten Geistes leben fort und sind ein köstlicher Bildungsschatz deS deutsche» Volkes und der gesamten Kulturwelt geworden!" — Von Richard Wagner, de« großen Meister, aus der Zeit, da er noch nicht der große Meister und Judenfresser war, erzählt der „American Hebrew“ folgendes interessante Erlebnis. AlS Wagner 1848 wegen der Rolle, die er in dem Volksaufstände gespielt hatte, flüchten mußten kam er eines Abends verkleidet und ohne einen Pfennig als Flüchtling nach Stadthagen. Im ersten Hotel daselbst fragte er die Wirtin nach dem populärsten Man» in der Stadt, den er, womöglich sofort, sehen müsse. „Der populärste Manu ist der „Judendoktor", erwiederte die Wirtin und schickte sofort einen Boten, der den Doktor bestellen sollte, daß ein mysteriös aussehender Mann ihn im Hotel zu sprechen wünsche. Als der Doktor ankam, wandte sich der Fremde mit folgenden Worten an ihn: „Mein Name ist Richard Wagner. Ich bin aus Dresden geflohen, wo ich an dem mißglückten Aufstand gegen die Regierung teilgenommen habe. Me Verfolger sind hinter mir her, und wenn sie mich in ihre Gewalt bekommen, bin ich für immer »»erkoren. Da ich keine Mittel habe, die Flucht fortzusetzen, bitte ich Sie, mir eine Fahrgelegenheit zu verschaffen, die mich nach Pyrmont schafft. Dort befindet sich Franz Liszt. Sobald ich bei ihm bin, bin ich unter seinem Schutze geborgen " Der Judendoktor entsprach dem Wunsche und in weniger als ein« Stunde befand I sich der große Zukunftsmusiker auf dein Wege zu seinem Freunde. Der Inhalt l^iefer Erzählung wird von einem noch in Stadthagen lebercheu Sohn des Judendoktors vollständig bestätigt, der außerdem hinzufügt: Richarde. Wagner kam abgerissen, hungrig, ohne Geld hier an. Mein Vater unterstützte ihn 1 mit neuer Kleidung, mit Reisegeld und brachte ihn mit Liszt über die Grenze nach Paris. Wagnec hat nie wieder etwas von sich hören lassen. Als 1860 die Amnestie erschien, kam er 1861 von London nach Deutschland zurück und war aa»^ Dankbarkeit gegen den „Judendoktor" Antisemit. — Zu den berühmtesten Männern» welche aus der jüdischen Gemeinde in Glogau hervorgegangen sind, gehört außer den Gebrüdern Munk, Cassel, Sachs, Friedenthal und Hahn auch der in gelehrt» Kreisen einst hochangesehene Londoner Bibliothekar Joseph Zehdner, welcher a» 10. Februar 1804 in Glogau geboren wurde und am 10. Oktober 187! in Berlin^ gestorben ist. Zehdner wirkte nach seiner Ausbildung zunächst einige Jahre al» Lehrer zu Strelitz in Mecklenburg, wo er 1829 eine Abhandlung über den „Wortlaut in der hebräischen Sprache" im Schulprogramm veröffentlichte. Im Jahre 1832 finde» wir den jungen Gelehrten in Berlin, wo er im Hause des Buchhändler»' und Antiquars A- Asher als Lehrer thätig war. Seine Unternehmungen al», Buchhändler und Leihbibliothekar mißlangen; daher folgte er 1846 einem Ruf a» daS britische Museum zu London, an welchem er 22 Jahre lang Kustos war. Im Jahre 1848 :rwarb das Museum die Sammlung Michael in Hamburg, üb« 4000 Bände (sehr.), deren Katalogisierung rc. nun für Zehdner ein großes ArbeitW