Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Journal
- Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Volume
- 24 (1904)
- Issue
- Heft 7 (1.7.1904)
- Date
- 1904-07-01
- Page
- Seite 161 (sequence 19)
- Language
- German
- Belongs to
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So lassen Sie uns denn alle für die Eintracht unter den Koafes fion«t wirken, auf daß das Dichterwort von dem „einzigen Volk von Brüdern" er zur Wahrheit werde. Möchte der Geist Lameys, dem der konfessionelle Fried« Ideal vorschwebte, von neuem in uns lebendig werden! Wenn daS auch Ihre Meinung ist, meine Damen und Herren, dann darf ich Sie bitten, die Gläser W erheben und einzustimmen in den Ruf: Der konfessionelleFriede lebe hoch! Aosse über die antisemitische Aewegung. In den „Grenzboten" erscheinen seit einigen Wochen „Erinnerungen b«*j| ehemaligen Kultusministers Dr. Robert B osse", welche auf die intern»^ politischen Vorgänge der letzten drei Jahrzehnte interessante Streiflichter werfen. > In den „Tagebuchblättern" des Jahres 1880 lesen wir : . J ■'! 15. November. Bei einem Diner saß ich heute neben dem Geheimem 5 Rat St- Er sprach sich ungemein feindselig und scharf gegen Stöcker uud dessen Antijudenagitation aus. Gerade jetzt tobt der Streit gegen die Jude« heftig aus Anlaß eines Skandals, den zwei Gymnasiallehrer mit einem jüdisck Destillateur K a n t o r o w i c z in eillem Pferdebahnwagen gehabt haben. HM scheinend ist dabei auch das Verhalten der beiden Lehrer nicht einwandfrei gev Von jüdischer und lieberaler Seite ist aber dieser Fall geflissentlich aufgebd worden. In den Zeitungen erlassen hervorragende liberale Parteimänuer, F o r ck e n b e ck, M o m m s e n, Gneist und Andere, eine nicht gerade glüc redigierte Erklärung, gegen die Judenagitation, und im Abgeordnetenhaus ist Interpellation über die Judenfrage eingebracht worden. Bei dem allen ist beiden Seiten viel Geklingel und agitatorische Übertreibung; aber jeder nüä Christ muß sich in der Tat die Frage vorlegen: Wohinaus soll es eigentlich-! der unter Stöckers Führung in Szene gesetzten Antijudenagitation? Was soll kann damit schließlich erreicht werden? Die Juden werden dadurch schwerlich scheidener werden, und in dem ganzen antisemitischen Treiben fehlt daS nämlich Gerechtigkeit und wirklich erbannende Menschenliebe gegen die Jutz Die politische Emanzipation der Juden ist nicht rückgängi zu machen. Der einzige Weg zu einer Lösung der Judenfrage wäre doch eine Massenbekehrung Israels. Das weist auf die Judenmission hin. Aber große geschichtliche Erfolge ist jetzt, so weit Menschenaugen sehen, die Zeit nicht gekommen. Mir scheint hier in Berlin zunächst alles in eine große polit Hetze gegen Stöcker umzuschlagen, dessen Optimismus und Eifer für eine im -r Stile zu erstrebende Masseneinwirkung auf unser Volksleben ihn oft genug