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Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen · 1904-07-01 · Heft 7 (1.7.1904) · p. Seite 156

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Journal
Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
Volume
24 (1904)
Issue
Heft 7 (1.7.1904)
Date
1904-07-01
Page
Seite 156 (sequence 14)
Language
German
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heilige Macht der Fin getreten, schreitet er vo Es ist ein Seelengemä nicht zu bessern ist, im 156 — ternis. Einmal aus dem Gehorsam gegen das Sittengesetz in Verbrechen zu Verbrechen, verführt seine Stieftochter und wird, um die Frucht sjeines verbrecherischen Umganges Mörder. Doch neben der Gewalt des Schlechten gibt de von wahrhaft antiker Macht uftd Wucht, wie nun in diesem lasterdurchwühlten Gemüt die Reue sich regt, und der ..' / j ... t.ff : cv... i**~~**~*lZi c beseitigen, zum Kindes- Kraft des Guten. eine Entschluß, zu büßen, was Innern des Nikita heranreift. In einer tiefgreifenden Szene bekennt Nikita seine furchtbaren Verbrechen und entriuuit so durch die Buße „der Macht der Finsternis" dem ewigen sittlichen Verderben. Maurice Maeftrlink schreibt über dieses Stück! die schönen Worte: „Es gleite über den alltäglichen Fluß des niederen Lebens dahin, wie eine schwimmende Insel von grandioser Schrecklichkeit und blutigrot vdn Höllenqualm, aber auch umspielt von der ruhig« n, weißreinen Wunderflamme, die aus der Kinderseele des alten Akim hervorlodert." Dieser Greis mit dem schmutzigen Gewerbe eines Senk' grubenauskehrers, und lauteren Seeleuadel ist so recht eigentlich der Held Tolstoischer Lebensideale. Wie er den tiefen Sinndes Wortes „Macht der Finsternis" verdolmetscht : Gibst du bcm Bösen den kleinen Finger, dann will er die ganze Hand, so lehrt er die essäische Hochschätzung der Armut, Geringachtung des Reichtums: Ich habe immer geglaubt, ohne Geld zu leben sei ein Elend. Nun sehe ich deutlich: ein größeres Elend ist, tmi seinem Geld sich mäste» und andere für sich arbeiten zu lassen. In Akim, dem Arbeiter und Grübler steht Tolstoi und das Essäertum vor uns in sinnbildlicher Verkörperung. Es giebt ein gutes Bild von Tolstoi; er trägt darauf die Arbeiterbloü e des russischen Landmannes, und seine Augen blicken traumverloren. So denke ich mir einen alten Essäer. Wenn der russische Wahrheits¬ und Gerechtigkeitsapostel nur selten auf diese alt-jüdischen Gesinnungsgenossen hinweist und lieber an die Lehrm des Urchristentums seine Darstellung anrankt, so verschlägt das nichts, wenigstens nichts für den dem Urchristentum und Essäertum zwei verschiedene Ausprägungen einer ursprünglich gemeinsamen Grundanschauung sind- Was utopistisch an den essäisch-tolstoischen Postulaten ist, bedarf keiner Hervorhebung. Was wird ans Wissenschaft, Kunst uüd Kulturfortschritt, wenn alle zu Hacke und Karst greifen? Das Böse ist eine sehr reale Macht, und durch Schließung der Strafanstalten inirli das Verbrechertum nicht beseitigt. Die Übertreibung wird fallen. Sie war eine geschichtliche Notwendigkeit. Druck wirkt Gegendruck. Dem brutalen Egoismus mu zte der konsequente Altruismus entgegentreten. Bleiben wird die durch Tolstoi und seine gleichgesinnten Vorgänger angeregte Sehnsucht, alle Lebensformen immer mehr mit dem Geist der Menschheitsverbrüdernng zu erfüllen und das alte Bibelwoit in die Tat umzusetzen: Du sollst lieben deinen Nächsten wie dich selbst. Von den großen ethischen Anregern aber gilt das Wort Goethes: „Sil! dürfen früh des ewige«: Lichts genießen, Das spät sich erst zu uns herniedenvendet"

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