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Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen · 1904-07-01 · Heft 7 (1.7.1904) · p. Seite 154

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Journal
Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
Volume
24 (1904)
Issue
Heft 7 (1.7.1904)
Date
1904-07-01
Page
Seite 154 (sequence 12)
Language
German
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äffischen Ausdruck irt der gleichet Pracht. und Judenfeind Plinius Die Essäer sind die Eines ein geistvoller Franzose ausgedrückt hat, fand seinen kl> hochgestimmten Forderung: Laßt Euch kränken und kränket nicht wieder, Höret eure Schande und bleibet still. Tuet alles aus Liebe und seid fröhlich im Leid, ‘ Dann seid ihr Freunde des Ewigen und der Sonne in siegreicher Was Wunder, wenn selbst der römische Skeptiker ihrer sittlichen Hoheit huldigen mußte mit den Worten: zigen unter den Mensch :», die den Jammer des MenscheätumS überwunden haben. Schweift nun dir Blick vergleichend von den historischen Berichten über die Essäer zu den gewaltigen Dichtungen des russischen Moralagitators, so spinnen sich eine Menge goldener Fäden von der alten Mystik zu ihrem neuen Jünger. Und ^uhlt man sich auch oft versucht, den Unterschied scharf hervorzuheben zwischen den Messiasträumen der S chwärmer von Engedi und den j Forderungen des Weltbekehrers ans Jasnaya Polyana. so wird man doch innüer auf so viele ihnen gemeinsame Züge gewiesen, daß man von dein Gedanken, in Tolstoi einen modernen Berjünger der essäischen Ideale zu erblicken, sich nicht frei machen kann. Graf Leo Tolstoi war schon lange gefeierter Dichter, bevor er als Pfadfinder für die Zukunft des Menschengeschlechts sich offenbarte. Erst im reifen Mannesalter, nach schweren inneren Kämpfen wurde der aristokratische Genußmensch zum mystischasketischen Propheten. Die erste Einkehr beginnt in jeyen einsamen vier Jahren, die er in dem Kosakendorf am Terek verbracht hat. In seiner Novelle „Die Kosaken" klinkt denn auch zum erstenmal sein ethisches Reformprogramm leise an: Man muß für sich möglichst wenic bedürfen und das Glück suchen in einem Leben für andere. Jahre vergehen Jahre rastloser innerer Tätigkeit. Immer reiner, reicher und reifer wird in ihn die Überzengung deren Grundgehalt er in seiner Programmschrift über das Reich Gottes tief und schlicht ausgesprochen hat. Lebensheiligung, Durchsittigung des ganzen Menschen, Heraustilgung der tierischen Begehrungeu aus dem Gemüt. Das ist die Vorbedingung, mit essäischem! Radikalismus gedacht und ausgesprochen. Wie der Titel des Buches, „Reich Gottes", ein efsäisches Schlagwort erneuert, so bietet der Inhalt essäische Lehren. Die Bewältigung, Bändigung und Kreuzigung des Fleisches, die er hier verlangt, führt dann in der Krcuzersonatc zu einer verurteilenden Kritik der Ehe, die er lediglich als einen Seelenbund mit Ausmerzung aller anderen als rein geistigen Empfindungen gelten läßt. Der unter das Sittengesetz gebändigte Mensch, der von der Gewalt (feiner tierischen Triebe befreit im Bild des Reiches ist, er allein vermag den Friedenszustand, den auch Tolstoi Gottes zeichnet, herbeizuführen. Krieg dem Krieg und die Waffen nieder ist ein Postulat. Wie der Prophet und die Palästinensischen Träumer, will auch er, „daß die Völker umschmieden ihre Schwerter zu Pflugscharen uni» ihre

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