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Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen · 1904-06-01 · Heft 6 (1.6.1904) · p. Seite 130

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Journal
Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
Volume
24 (1904)
Issue
Heft 6 (1.6.1904)
Date
1904-06-01
Page
Seite 130 (sequence 12)
Language
German
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verfolgst? Nun trollst; Du Dich auf der Stelle fort und suchst mir den jüdischen Studenten auf, den Du geschlagen, und bittest ihn um Verzeihung. Und schriftlich mußt-Du mir es von ihm bringe», daß er Dir verziehen |t»at!" Ich war entsetzt ob der drakonischen'Strenge dieses! Urteils. „Wie, ich soll mich erniedrigen vor jenem Juden'?"! ,,Dn erniedrigst Dich vor Gott, der de» Juden! wie Dich nach seinem Ebenbilde geschaffen." „Und wie finde ich ihn jetzt in dieser großen Stadt?" „Das ist Deine Sache. Du weißt, in welcher Gpsse die Jude» wohnen. Gehe dort von Haus zu Hans, bis Du ihn findest: Thue auf Deinen Mund und halte Nachfrag; Komorn ist kein Urwald. 'Mir aber wirft Du ohne jene Schrift nicht mehr vor die Augen kommen." Das war das Ultimatum.. Ei» böser Fall fürwahr.! Das Mittagessen hatte ich schon versäumt, nun füllte ich auch das Abendbrot verlieren. Indessen gab es keine Appellation. Was! war zu tun? Ich mußte mich ergeben. So bis; ich denn in den sauren Apfel und ^nachte mich daran, den Koritschoüer am jenseitigen Ende ^>er Stadt, wo er wohnt«!, aufznsuchen.!! Da, als ich die Haustür offnen will, drückt Jemanh zur selben Zeit dieselbe von außen herein; was Tor ging auf und vor mir stand — mein kleiner Koritschoüer. Die beides Schultern schlaff gesenkt, das Haupt traurig zur Seite geneigt, fragte er mich ah der Schwelle stehend, mit milder! zitternder Stimme: „Grollst' Du mir?"! Ob ich ihm grollt? Und, demütig den! Hut vom Kopfe nehmend, fuhr Lr fort: „Ich kam zu Dir, Dich um Verzeihung zu bitten." Er, der Gcprügeltie, kommt um Verzeihung bitten Demjenigen, der ihn insultiert! Und ihn hat Niemand dazu gezwungen. Er hat keine! Mutter, die ihn durch strengen Rechtspruch und!>nächtigcs Gebot zu mir schickte! ifnb dennoch kommt er hierher zu mir.! i Mir strömten die sTränen ans de» Augen: ich fiel ihm um den Hals und umarmte ihn.. „Nein, nicht Du bittest um.Verzeihung, nicht Du; ich bitte Dich, mir zu vergeben. Und jetzt mußt du mit hinein zu meiner Mutter und ihr sagen, daß wir uns versöhnt hallen und hierfür »ns gegenseitig achten wollen." „Darum bi» ich ja just zu Euch gekommen." Hierauf ging er mit mir zu meiner Mutter hinein und sprach: „Ich komme um Ihre Vergebung zu k itten, gnädige Frei«, für die Beleidigung, die ich Ihnen zugefügt. Ich bin der Schuldige, ich gestehe es ein. Denn iporüber wir disputiert, darin hat er Recht gehabt, der Moritz. Der Buchstabe „hl' ist in der Tat ein .Konsonant; nur aus poetischer Lizenz wird er zmveilen als!„Spiritus lenis“ betrachtet. Der Herr Prost ssor hat mir das klar und deutlich!erklärt. Darum ver-

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