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Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen · 1904-06-01 · Heft 6 (1.6.1904) · p. Seite 129

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Journal
Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
Volume
24 (1904)
Issue
Heft 6 (1.6.1904)
Date
1904-06-01
Page
Seite 129 (sequence 11)
Language
German
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Ansiassnng. Uns — 129 — 14- bis 15 jährigen Burschen machte dieser vierzigjährige Kamerad viel Spaß mit seiner kuriosen, ausgewachsenen Gestalt, mit seiner Aussprache und seiner unwillkürlichen Komik. Einmal war er ans der Schule ansgeblieben und als ihn der Professor dann deshalb zur Red«' stellte, sagte der gute Koritschoner zu seiner Rechtfertigung: „Ich konnte nicht konsineri, weil mich meine Frau eben gestern mit einem Söhnchen beschenkt hat."! Man kann sich denken, welche heitere Stimmung sich auf diese ungewohnte Entschuldigung der ganzen Klasse bemächtigte. Nur der Professor, der Alles ernst nahm, lachte nicht, er wünschte seinem Schüler Glück zu dessen Neugeborenen und entließ ihn für diesen Tag. damit er bei seiner Frau wachen könne. Auch der gute Koritschoner nahm die Geschichte, wie Alles im Leben, sehr ernst. Mit der Kalligraphie verträgt sich eben kein Spaß. Einmal lfatten wir, der alte Koritschoner und ich, vor der Schulstunde einen Disput. Die Kontroverse bestand darin, wo in der ungarischen Metrik das h ein Konsonant sei oder nicht. Ich sagte Ja, er Nein. Schließlich warf ich hin: „Was weißt Tn davon, Tn bist ja nnr ein Jnd", worauf er erwiderte: „Du aber bist nur ein Kind." Eine schreckliche Beleidigung das, einem vierzehnjährigen Manne zu sagen, daß er ein Kind sei! Heutzutage würde man den Beleidiger hierfür zum Duell fordern. Damals machte man mit ihm kurzen Prozeß. Ich war 14, er 41 Jahre alt, aber ich war ein Magyar und er blos em Jude; Grund und Rechtsmittel genug, ihn um Kragen zu packen und ihn mit der Faust zu bearbeiten. Als ich den Konsonantel -Charakter des h auf diese Weise ans dem Rücken des jüdischen Kameraden bewies, trat der Professor ein. Er war ein strenger und gerechter Manu, er bestrafte mich, trotzdem ich sein Schwager war, für dies Bergehen und; ich mußte bis zum Abend in der Schule bleiben, was eine große Schande war. s Daheim nahm mich meine Mutter vor. Meine in Gott ruhende Mutter hatte ein gutes, gesegnetes Herz; dabei war sie eine soldatisch strenge Natur. Sie fragte mich, wo ich geblieben wäre. Ich erzählte ihr, auf's tiefste entrüstet, von ‘H dem Unrecht, das mir widerfahren: .nie ich mit Bestimmtheit wisse, daß der Buchstabe h ein Konsonant sei, ich könne für meine Behauptung Börösmarty zitieren... und da hätte E>ner gewagt, mir zu widersprechen und dafür hätte ich ihm etliche Püffe versetzt, dxr Lehrer aber mich in der Schule behalten. „Ja, mußtest Du deshalb gleich Jemanden schlagen?" fragte die Mutter. „Es war ja nur ein Jude!" „Was?1 rief meine Mutter ans. „Du sagst, es wäre ein Jude gewesen?. Ist der Jude str Deinen Augen nicht ebenso ein Mensch wie jeder Andere? Du verachtest Jemanden um seines Glaubens willen? Bergissest Du, daß man „unsere" Glaubensgenossen vor fünfzig Jahren ebenso verfolgt hat, wie Du jetzt den Jude

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