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Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen · 1904-06-01 · Heft 6 (1.6.1904) · p. Seite 128

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Journal
Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
Volume
24 (1904)
Issue
Heft 6 (1.6.1904)
Date
1904-06-01
Page
Seite 128 (sequence 10)
Language
German
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... MDWWWWNWW»!^»PSW|W mmm — 128 - Hier, wo theologische Fragen nicht zni Erörterung gelangen sollen, ist nicht der Platz, zu zeige», wie sehr Schule ltitb Synagoge, diese beiden heilige» Erziel,»ngs- und Bildungsstätte», der Selbsthilfe benötigen, nicht der Platz, z» zeigen, welch' «ne tiefe, entsetzlich tiefe Kluft das Leben von heute und die das Judentum von heute trennt; eine Kluft, die ein Grab zu aber ist sicher und damit will ich schließen, daß auch deni Kampfe ums Dasein nur ein Heil erwachst ulnd erwachsen kann, das ist die Selbsthilfe durch Anpassung an das Leben von heute, an die Wissenschaft von heute zum Zwecke der weiteren Entwicklung. ' Wissenschaft von heute werden droht! Soviel Judentum in seinem Wie ich Hchitosemit gewor Bon Moritz Jol'ai, gest. 4-. Mm 1V04. den. „Soll ich es leugnen? Auch ich »vnr als Kind Antisemit; so wie es jeder entwickelte Mensch ist. Die Mägde hatten ßnr den tfopf mbll gemacht damit, daß die Juden an ihrem Osterfeste das Blut christlicher Binder benutzen, und zwischen n der Juden wohnen he, das Hübner hieß, in mir zu Weckern unserm Hanse und der Schule lag die Barhny'sche Kurie, durften. Was ich dann in der Schule ans dem dicken Bur! lernte, war auch gar nicht geeignet. Borliebe für die Inden Wer aber meine Ansichten am vollkommensten teilte,! daß war unser Hund Cziczke. Hn, roie der heroorstürzte, wenn hie und da solch^ eine bärtige Gestalt in Pluderhosen in unseren Hof kam. Da war - ich auch selber! Held Wie hetzte ich dann Cziczke: „Allo, Patz,' faßan!" und wie lachte ich, wenji ich die Pantoffel des hinausrennenden Juden schlürfen horte.! j Als ich dann großer rvnrde, schickte rnan mich nach Preßburg. mn Deutsch -zu lernen. Bis dahin hatte ich einen jüdischen Studiosus weder im Lycenm noch im Gymnasitlm getroffen. Wozu batte ein Jilde cnlch lateinisch lernen sollen? Er durfte kein Amt bekleiden, er durfte nieder Adoolat noch Ingenieur werden. Wozu hätte ihm also das Latein genützt? . . Blos eine wissenschaftliche Laufbahn stand dem Inden offen, die ärztliche, oder wie man sie damals nannte, die Doktoren Laufbahn. Als ich nun die „Poesie" besuchte, erc gnete sich das Wunderbare, daß sich ein jüdischer Studiosus in unsere Klasse einschreiben ließ. Er hieß Koritschoner. Er war nicht jung mehr: schon über die Vierzig. Bis daher war er Magister der Kalligraphie gewesen; er nnterichtete im Schonschreiben, er kopierte Gratulations-Schreiben mit einer Schrift, dte wie gestochen,anssah. Das war freilich ein mageres Brod Trotz seines vorgeschrittenen Atters Ihatte er den ehrgeizigen Plan, Arzt zu werden gefaßt; zu diesem Behnse mnßch er vorher Humaniora absolvieren. Grammatik und Syntax lernt!: er zuhause als Autodidakt, was ihm nur bei einen» riesigen Fleiße möglich war, denn er war nicht von besonders rascher

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