Mannheim
Compact Memory

Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen · 1904-06-01 · Heft 6 (1.6.1904) · p. Seite 127

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
Volume
24 (1904)
Issue
Heft 6 (1.6.1904)
Date
1904-06-01
Page
Seite 127 (sequence 9)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
97% known words query
IRI
…/2969669-2969988-2969995--7281-2977962
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

der Wissenschaft Beginnt das Gebiet des Glanbens an die allerheiligste Einheit, a« den einig einzigen Gott! Den wimderbaren Stoff hat Gott gegeben. Sein Werk ist die natürliche Entwicklung und seinen Ruhm kündet die ganze Natur. Je höher und entwickelter, je erweiterter unsere Erkenntnis wird, umso mehr erweitert sich ' unsere Vorstellung zu Gott. Die Naturwissenschaft hat unsere Erkenntnis von Gottes Werken bereichert und hat darum auch unsere Vorstellnug von Gott bereichert. Wo aber ist der Gegensatz zur Religion gegeben? Denn was erstrebt die Religion ihrem innersten Wesen nach? Erziehung des Menschen, Beziehungen zu Gott; die Wissenschaft hat diese Beziehungen zu Gott sestgestellt- Es gibt keinen prinzipiellen Gegensatz, es kann gar keinen geben. Beide dienen der Wahrheit und es gibt nur eine Wahrheit. Aber es gibt einen Gegensatz zwischen gewissen Formeln und Vorstellungen, die mit der Religion identistziert werden, und zwischen der Wissenschaft, die diese Vorstellungen als nicht identisch mit der Religion nachweist; dieser Kampf existiert. Wir selbst stehe» mit beiden Füßen darin; es ist der Kampf ums Dasein, den das Judentum zu kämpfen hat. Ein tiefernster Kampf, der in des Wortes ilreigenster Bedeutung sich zur Frage zuspitzt: „Sein oder' nicht sein", und für diesen Kampf gibt es durchaus kein Analogon in der jüdischen Geschichte, den» nicht einer einfachen Reform, oder Neueriiugssucht steht das Judentum gegenüber, sondern der ernsten exakten Wissenschaft, der vollauf erwiesenen Wahrheit, die ihren Siegesweg geht über »och so viele ehrliche und unehrliche Gegner. Der Kampf ist ein tiefernster und alle, die das Judentum kennen und lieben, dürfen und können nicht müßige Zuschauer bilde». Au unser Herz und Mark greift dieser Kampf, den» das Judentum ist die Mutter, ist der Stolz; es muß erhalten bleiben für die Tage der Anerkennung, die ihm noch Vorbehalten sind! Diese Menschheit, zu der die Juden Stellung zu nehmen gezwungen find, scheidet sich in geistig minder und geistig höher entwickelte Menschen. Zu ersteren zählen alle unsere Gegner, auf reaktionärer Basis, die Antisemiten aller Farben; diese zwinge» de».Juden de» Kamps ums Dasein ans. Zu den höher entwickelten zählen die Vertreter der modernen Naturwisjenschasten und anderer Wissenschaften. Auch diese zwingen dem Judentum de» Kampf ums Dasein auf. Feinde nach oben und nach unten. Eine Zeit schiverster Not, aber eben in der Not lernen wir ja uns selbst und unsere besten Freunde kennen, unsere eigene Kraft zum Zwecke der einzigen, der heiligen Wahrheit selbst. Das Judentum ist kein Modeartikel, wir brauchen durchaus! nicht nachzuahmeu das, was die Majorität übt. Alles, was sich nicht nach vorwärts entwickelt, darf kein Interesse für uns haben; wir müssen uns Hand in Hand mit der Wissenschaft vorwärts entwickeln. Anpassung bedeutet zweierlei. Anpassung an die Wissenschaft von heute, in welcher das Judentum einfach innerhalb der menschlichen Entwicklungsgeschichte eiugereiht wird; Anpassung an das Leben von heute durch eine in einer Synode vorzunehmenden Revision aller bisherigen Vorstellungen, ob diese Entwicklung förderlich oder hinderlich ist. MjMMWWWWMW i;'

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.