Mannheim
Compact Memory

Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen · 1904-06-01 · Heft 6 (1.6.1904) · p. Seite 126

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
Volume
24 (1904)
Issue
Heft 6 (1.6.1904)
Date
1904-06-01
Page
Seite 126 (sequence 8)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
94% known words query
IRI
…/2969669-2969988-2969995--7280-2977961
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

des Judentums braucht prAsgegeben zu werden, nur muß allenthalben die naturgemäße Erfassung platzgreifan. Gott hat die Entw cklung als Gesetz in die Natur gelegt, das Judentum kann dabei nur gewinnen.!Ter Nutzen, den die Wertschätzung von Inden und Judentum durch diese Lehre gewinnt, ist ein so immenser und vielseitiger, daß er heute noch gar micht überschaut werden kann. Die ethische Hoheit und historische Treue der Bibel, wie die merkwürdiger Weise noch gar nicht gewürdigten Naturbeobachtttngeu im Talmud,1 die vor anderthalb Jahrtausenden Tatsachen feststellen, zu denen man erst heute die Theorie gefunden, werden in das richtige Licht gesetzt. Da aber hier jede Besprechung theologischer Fragen vermieden werden soll, erfüllen müssen, die nach Vollkommenerem möchte ich Ihnen den Gewinn nur in einemeinzigen Beispiel zeigen. Soweit man in dem jüdischen Schrifttumznrnckgreift, durchweht Buch für Buch, Blatt für Blatt das Vorahnen eines dereinst-igen Weltfriedens, einer Zeit, da die Schwerter umgeschmiedet werden zu Pflugscharen, Spieße Winzer Messern, und keine Krise kann mehr gefürchtet werden, t>iq Anbetung des einen, einzigen Gottes durch alle Menschen durchweht die jüdische -'Volksseele in allen Aenßerungen. Vertrauen, Trost und Lebensmut spendend in den langen Jahrhunderten, seitdem aus dem jiidischen Volke auf eigener Scholle eine Religionsgesellscha-ft in fremden Landen geworden ist. Und NUN, meine verehrten Warnen und Herren, die Enwicklnngslehre erst, sie rückt diese frommen'Zukunftstränche in den Bereich der sicheren Erwartung. Wir wissen, daß diese Vorahnungen kd Propheten sich erfüllen könnten ganze Neuzeit ist vom Gesetz der Entwicklung, vom Zuge erfüllt. Die Menschheit hat sich bisher in j bcn ihr allein Vorbehalten gebliebenen Bahnen vorwärts entwickelt und mnß sich nach dem Naturgesetz auch immer weiter entwickeln. Sie muß! Und wohin dies führen mnß? Zur edelsten Religion auf Grund sittlicher und geistiger Vollreife, zueinem Zustand? tiefsten Friedens, da unserer Zeit und ihrer Berühmtheiten nur '.mit Beschämung gedacht werden wird, zu einer Zeit, da es keinen Religionstampf,' keine Aechtung keine Judenverfolgung mehr geben wird. Allerdings hat Weile. Für diese traurige. Gewißheit aber mnß uns die wenn .auch ferne Zukunft entschädigen, der Gedanke,, daß Jyortjcljritf | feilt Ideal, sondern etwas unbedingt sicher zu Erwartendes ist, das nicht anfgehglten werden kann. Einsichtsvolle und darum geduldige, über die Eintagsberühmtheiten hinausblickende Menschen werden .durch eine noch so machtvolle Bewegung hicht abgehalten diese Bewegungen erst der? Geschichte an, Hann sieht man. mächtigste Mittel der Vorwärtsentwicklung i^t. — — — Niemand kann die -künftige Entwicklung Vorhersagen. Unsere Vorstellung kann nur für die Gegempart und deren jeweilige Errungenschaften gelten. Hier aber sehen wir, daß die Wissenschaft eine Grenze findet. Und an den Grenzen der freien Forschung, es bis dahin noch gute werden, denn gehören wie die Reaktion das

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.