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Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen · 1904-06-01 · Heft 6 (1.6.1904) · p. Seite 123

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Journal
Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
Volume
24 (1904)
Issue
Heft 6 (1.6.1904)
Date
1904-06-01
Page
Seite 123 (sequence 5)
Language
German
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Iw der Freudigkeit unseres Herzens begrüße» wir die unter allen guten Zeichen ins Leben tretende Anstalt. I» Demut aber blicken wir zu Gutt, der es so gefügt hat, daß eS uns gegeben ward, die so lange und so viel ersehnte Anstalt zur Ehre und zum Ruhm«' unseres Glaubens, zum Heil unserer Glaubensbrüder in's Leben gerufen; und danken wir Gott, der uns einen solche» Leiter der Anstalt uyd solche Männer ihm zur Seite hat finden lassen, deren vereintes Wirken dem jüdisch-theologischen Seminar eine gedeihliche Zukunft sichern wird. — Somit übergeben wir im Namen des verklärten Stifters Ihnen, Herr Direktor, diese Räume, ans daß der Geist des Ewigen mit Ihnen hineinziehe und darin wohne! Wir übergeben Ihnen das Siegel des Seminars, auf daß Sie der Anstalt daS Gepräge geben — das Gepräge der hohe» Würde, Frömmigkeit und Weisheit, welches Sie selbst auszeichnet. Wir übergeben Ihnen diesen Lehrstuhl, auf daß Sie von.ihm aus die ewigen Wahrheiten des Glaubens verkündigen, das Verständnis seiner Lehren und ihren tiefen Sinn entwickeln — und durch Ihre Schüler, durch Ihre würdigen Schüler weit verbreiten lassen, aus daß Sie in die Hörer und Zöglinge der Anstalt den Geist hineiittragen, durch welchen Sie selbst als Oberhirte und Staatsdiener so segensreich gewirkt, solche Liebe. Anerkenming und unbegrenzte Hochachtung erworben haben, den Geist, der Sie zu diesen» Platz berufen, dazu Sie auserwählt hat. Der Direktor der Anstalt Dr. Zacharias Frankel sprach, an den gesprochenen Segensspruch „Schehechjeono" ankniipfend, folgende Worte: Ein wahrhaftes Erlebnis, weil der Mensch seine Erfahrungen und Wahrnehmungen nach der Zeit rechnet, i» ihr entsteht und von der in ihr auf Minute sich drängenden Minute verdrängt wird. Darum freut er sich manches Erlebnisses, das zwar komnien muß, aber er zweifelt, ob es sein Erlebnis sein, ob er es erbkicken werde, Dieses Erlebnis, iver konnte sagen, daß es kommen muß, wer mit Bestimmtheit sagen, daß es kommen werde. War nicht schon vielen der Mut entsunken, wurde nicht schon das Entstehen eines Seminars schmerzvoll zu den frommen Wünschen gerechnet? Da erblickt unser Auge das Erlebnis: Ter Herr hat das nicht Erwartete und nicht Gehoffte ausgeführt! — Dieses Erlebnis ist aber auch ein historisches, wie nur die Geschichte Israels deren so manche aufzniveiseii hat. Israels Bestimmung ist nicht, als ein, seinen Gipfel stolz echebender, sich geivaltsam ausbreitender Baum zu prangen; es rechnete nie Macht und Ansehen zu seinem eigentlichen Erbteil, lind dennoch ist es unvergänglich, denn es hat seine Wurzel im Göttliche», und so oft eine Macht es zu vernichten drohte, erhob es sich, und wenn schon an seinem Aufkominen gezweifelt und wenn es schon als aufgelöst betrachtet wurde, kam wunderbare Hilfe und es erstand verjüngt und neubelebt. Und wie auf politischem Gebiete, so manifestierte es sich auch auf dem Gebiete, das Israels eigentliches Leben ausmacht: der Glaubenswissenschaft. Wenn je unheilschwangere Finsternis -4 ■ä -

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