Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Journal
- Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Volume
- 24 (1904)
- Issue
- Heft 5 (1.5.1904)
- Date
- 1904-05-01
- Page
- Seite 111 (sequence 17)
- Language
- German
- Belongs to
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111 ich ohne diese Bekanntschaft gar nicht gekommen wäre und der mir und meinen Kindern sich doch sehr heilsam erwies, übte der Zufall aus dadurch, daß ich gleich bei meinem ersten Besuche bei Herrn O. das „Neligionsheft" von dessen soeben eingesegneter Tochter in die Hand bekam. Daraus ersah ich, daß der Religionsunterricht in der jüdische» Schule Philanthropin" ein vollkommen konfessionsloser war. denn nur auf den letzten Seiten des sehr fleißig ausgearbeiteten Schulheftes fand ich die Unterscheidungslehren des jüdische» Bekeniitnisfes kurz zusammengestellt. Gegen Ende des Monats September 1848 lies; ich meine vier Kinder nach Frankfurt Nachkommen und nun galt es, für sie einen guten Unterricht zu suchen. Ich ging ohne langes Bedenken zu dem Direktor der vorhin genannten jüdischen Schule „Philanthropin", dem braven Oberlehrer Heß: „Ist es verboten, in Ihre Schule Christenkinder aufzunehmen?" „Verboten ist es nicht gerade ausdrücklich", erwiderte zögernd der von der Frage Überraschte. „Nun, dann wird es wohl znlässig sein?" „Ich sollte meinen." „Dann melde ich zwei Kinder an.“ Als mm erst der Schulmann fragte, wer der Anmeldende sei, und ich mich als Parlamentsniitglied zu erkennen gab, stieg dadurch in jenem das Staunen über diese ganz unerhörte Anmeldung. Die Angelegenheit wurde schnell und leicht nach meinem Wunsch geordnet Meine Kinder, Jda und Franz, wurden als die beiden ersten Christenkinder in die vortreffliche jüdische Schule ausgenommen. Anfangs langsam, aber allmählich vielseitiger fand dies Beispiel Nachahmung, und bald rvaren 70 bis 80 Christenkinder alljährlich in jener Schule» in welcher aller und jeder Einfluß des Rabbiners auf das strengste ausgeschlossen ist, zu finden." — Die Lehranstalt für die Wissenschaft des Judentums in Kerlin veröffentlichte jüngst ihren 22. Bericht. Die Zahl der Hörer betrug im Sommerhalbjahr 1903 42. im Winterhalbjahr 1903 04 44, die Zahl der Hospita nten betrug 5 bczw. 7. Außerdem nahmen an den Vorlesungen für Studierende aller Fakultäten 30 Studierende aller Fächer teil. Neben reinen Spezialvorlesunge» wurden folgende Borlesimgen allgemeiner Natur gehalten: „Die Religion dec Pharisäer", „Judentum und.Urchristentum in ihren gegenseitigen Beziehungen". Der Lehranstalt sind im Laufe des Berichtsjahres verschiedene größere Zuwendungen gemacht worden. Rittergutsbesitzer N. Bernstein hat der Lehranstalt eine Schenkung von 100000 Mark behufs Erwerbung eines eigenen Hauses gemacht. Zum Andenken an ihren dahingcschiedenen Gatten errichtete Frau Geheime Kommerziell-•• rat Jda Simon einen Louis Simon'schen Lehrstuhl für Geschichte und Literatur bezw. für die Ethik und Religionsphilosophie des Judentums. Die Einnahmen der Anstalt im Jahre 1903 betrugen 31389 Mark. Dazu kam noch ein Kassenbestand von 15688 Mark. An Honorare» wurden verausgabt 12825 Mark, für Miete 172) Mark, a» allgemeine» Verwaltungskosten 2061 Mark usw. Der Kassenbestand beträgt 8304 Mark Der eiserne Fonds beträgt 208190 Mark. In der wissenschaftlichen Beigabe des Berichts behandelt Dr. I. Elbogen „die Religion--, auschauungen der Pharisäer" mit besonderer Berücksichtigung der Begriffe Gott u«i»