Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Journal
- Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Volume
- 24 (1904)
- Issue
- Heft 5 (1.5.1904)
- Date
- 1904-05-01
- Page
- Seite 109 (sequence 15)
- Language
- German
- Belongs to
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109 Dieses Ideal, das Kalthoff dem Christentume zuschreibt, haben bereits die Propheten des alte» Testaments gekannt. Mau vergleiche beispielsweise Jes Kp. 2, V. l -4 und Kp. I I. Es sei auch hier auf die herrliche Zielte hingewiesen, welche wir Juden an den heiligsten Tagen des Jahres, am Neujahrsfeste, beten: „Alle Menschen werden einen Bund bilden, deinen Willen, o Herr, mit ungeteiltem Herzen zil erfüllen. Das Unrecht wird verschließen seinen Mund und jeder Frevel wird schwinden wie Rauch vvn der Erde: gebrochen wird sei» die Herrschaft der Tyrannei und du allein, o Gott, wirst Herrscher sein über deine Geschöpfe (Mussaf znm Neujahrsfeste). Man mag auch sonst in manchen Punkte» anders denken als der Verfasserleugnen läßt sich nicht, daß Kalthosf mit seiner „Religiöse Weltanschauung" ein Werk geschaffen hat, das jedem Gebildeten reiche Anregung geben wird. Interessant, weil» auch vielleicbt nnr für einen kleineren Kreis von Gelehrten, ist ei» zweites Werk desselben Verfassers „Die Entstehung des Ehristentnnis" *) Kalthoff faßt Christus nicht als Einzelperson auf, sondern als Personifikation einer ganzen geschichtlichen Zeitepoche. So bemerkt er: „Ist aber das Christentum, selbst vom theologischen Standpunkte aus. nur die religiöse Zusanimciifassung der die geschichtliche Entwicklung,der Zeit beherrschenden Faktoren, was soll dann für die Geschichtswissentschaft »och ein historischer Jesus? (a. a. O. S. 25). „Messias, Christus ist also, woran vor allen Dingen festgehalten werden muß, ein Allgemeinbegrifi, ein Gattungsname, nicht ein Personenname, nicht ein Eigenname, wie die Gewohnheit des christlichen Sprachgebrauchs irrtümlich anznnehmen verleitet. Es hat gar manche» Christus gegeben, ehe ein Jesus für diesen Namen überhaupt nur in Frage kommen konnte. Christus nennt der zweite Jesajas einen heidnischen König, de» Perserkönig Cyrus. Im 2. Psalm ist Christus, der Sohn Gottes, ein siegreicher Fürst, wahrscheinlich ein Makkabäersproß, der seinen Wohnsih wieder nininit in der Zionsburg. ta.a. O.S. 59). Für jüdische Leser ist besonders interessant da» Kapitel: „Die Vorgeschichte des Christentums im Judentum". Können wir auch nicht in allem die Ausführungen Kalthoffs teilen, so müssen wir doch zugeben, daß Kalthoff bestrebt ist, objektiv gl sein. Das beweist auch seine Bemerkung: „Die alttestamentlichen Jesussprüche < Gemeint ist Jesus b. Sirach) bieten weitgehende Paralellen zn den Jesussprüchen der Evangelien" la. a. O. S. 72, mo auch die Parallelstellen angeführt werden >. So rufen auch wir Kalthoff zu: „Möge cs auch Jhiien vergönnt sein, ii» Geiste der Humanität weiter zn wirken!" ' * *) Verlegt bei Eugen Diederichs, Leipzig 1901, Preis 3 Mk m