Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Journal
- Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Volume
- 24 (1904)
- Issue
- Heft 5 (1.5.1904)
- Date
- 1904-05-01
- Page
- Seite 108 (sequence 14)
- Language
- German
- Belongs to
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108 kann liuv gesund bleiben und gedeihen in der vollsten Freiheit, die wir für uns selbst fordern, müssen wir Luft der Freiheit; und die auch allen anderen gewähren; da dürfen wir iiiminerinehr mit rauher Hand ins Seelenleben der Mensche» eingreifen und von ihnen fordern, das; sie sieb mit ihrem Glauben nach uns richten und nach unserer Faoon selig zu -werde» suchen." Als ich, entzückt von diesen Worten, dem Verfasser einige »teilt»4 Schriften schickte, in denen der Geist der Humanität zum . Ausdrucke kommt, und zu gleicher Zeit bemerkte, daß man heute nur selten solche Gedanken so offen ausgesprochen finde, wie er sie in seiner „Religiösen Weltanschauung" darlege, da antwortete mir Kalthosf:! „Möge es Ihnen vergönnt sein, im Geiste der! Humanität weiter zu wirken! Wo der Rassenhaß und Klassenhaß immer mächtiger jwerden, hat der Hnmanitätsgedanke eine immer größere Mission zu erfüllen. Daj muß jeder auf seinem Posten seine Schuldigkeit tun. und ich bin Ihne» dankbar, daß Sie sich als einen Mitarbeiter für diese Sache zu erkeuiien gegeben." Kalthoff zeigt sich als Apostel der Humanität, wenn er ausrust: „Religion ist Liebe zu Gott und den Menschen, ,ist die Kraft, die unser ganzes Leben dnrchdringen, sich in unserer Arbeit und Erholung bewähren soll als Pflichttreue, als Opferfrendigkeit, als Pertrnuen, Friedfertigkeit. Barmherzigkeit, Menschlichkeit." (a. a. O. S. 2.»0,>. Des, Bekenner der jüdische» Religion muß es besonders anheimeln, wenn er an einer anderen Stelle seiner „hlieligivseu Weltanschanung" bemerkt: „Sorge nicht, daß die Menschen Almosen bekomme», — sondern besorge ihnen ihr Recht! Dulde nicht, haß sie hungern, noch weniger aber, daß sie betteln müssen" (a. a. O. S- 178j; heim Kalthoff hat damit seine bnmane Weltanschanung ausgesprochen, die das as Judentum seit Iahhtauseudeu lehrt. Denn „Zedokoh" Hebräischen nicht bloß „Wohltätigkeit", sondern auch „Gerechtigkeit". bedeutet im Der so viel verkannte weil nicht gekannte Talmud erklärt: Wohltaten übe» bleibt nicht deiner Willkür überlassen, es ist vielmehr eine Pflicht der Gerechligkeit, Wohltaten zu üben, dazu bist du als Mensch verpflichtet, sonst sinkst du auf die Stufe des Götzendieners zurück. (Vgl. Schulchan Arnch „Vorschriften über die Wohltätigkeit K 247 ff). Ein 3h4rt»in aber liegt vor, wenn Kalthvff i» dem Kapitel: „Das gesellschaftliche Ideal" bemerkt: « Da sind die l Welt gekannt. Ihr gebung, ihr Gott der hebräischen Propheten, die gewaltigsten Idealisten, die die alte Ideal ist wieder fein Staat, ihre Prophetie eine soziale Gesetz- Träger und Schützer des Rechtes, i der Rächer jeglichen Unrechtes. Dann kommt das Christentum, die Kirche, mit denr christlichen, dem katholischen Ideal. Ein Staat st>ll anfgerichtet werden auf Erdcjn, so kühn und groß gedacht, wie ihn noch kein Jdtalist der Vergangenheit zu entwerfen gewagt: ein Gottesstaat, der alle Bulker der Erde umfaßt, sic4 alle eint zu hinein Reiche des Segens und des Friedens, wo Not und Jammer, Torheit und Sünde verschwunden sein sollen aus dem Leben der Menschheit" (a. a. O. S. 472).j