Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Journal
- Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Volume
- 24 (1904)
- Issue
- Heft 5 (1.5.1904)
- Date
- 1904-05-01
- Page
- Seite 107 (sequence 13)
- Language
- German
- Belongs to
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lWWWMMWW — 107 eine Ehrenpflicht der späteren Geschlechter, selbst als das Philanthropin nicht mehr in der Lage war, wie in den ersten Zeiten, den größten Teil der Jugend der Gemeinde zu Unterricht und Erziehung in seinen Räumen zu vereinen. Dem Wohle der Gemeinde, der Stadt und des Vaterlandes wird auch weiterhin die Arbeit der Schule gewidmet bleiben. Wie in der Vergangenheit wird sie auch weiterhin unverrückt das Ideal festhalten, dem sie ihren Ursprung verdankt: Die Humanität. Unser Vaterland kann sich rühmen, den humanen Gedanken am herrlichsten zur Verwirklichung gebracht zu haben. Ein deutscher Dichter, der unsterbliche Lessing, hat ihm die vollendetste Gestaltung gegeben; ein deutscher Philosoph, MoseS Mendelssohn, hat ihn am klarsten zum Ausdruck gebracht, unser» Dichterfürsten Goethe hat er zu dem Wunsche veranlaßt, daß er der deutschen Nation heilig und wert bleiben möge. In der Treppenhalle unseres Schulhauses sind die Büsten von Lessing, Mendelssohn und Goethe gegenüber der Tafel angebracht, die Sigismund Geisenheimers segensvoUe Schöpfung nachkommenden Geschlechtern kündet. Lessing — Mendelssohn — Goethe: Humanität — Aufklärung — deutsche Geistesbildung, sie »lögen unsere Jugend wie in dem vergangenen so auch int kommenden Jahrhundert der Schule leiten und zu gleich edlen Taten führen wie vor nun 100 Jahren die Begründer des Philanthropins. Irvei interessante Werke. * Bon Dr. Lldolf Biach, Rabbiner und Prediger in Brüx. Trotz der großartigen Fortschritte, die unsere nivderne Zeit auszuweisen hat, ist ill ethischer Beziehung ein bedeutender Rückschritt zu verzeichnen. Klassen- und Rassenhaß feiern auch im 20. Jahrhunderte ihre Orgien. Jene sumpfigen Gegenden, in welchen — mit Börne zu sprechen — das häßliche giftige Schlaugengezücht wohnt, das böse Dünste verbreitet, so vielen unschuldigen Geschlechtern das Dasein verpestet und sie um den Preis ihres Lebens prellt, sind noch immer nicht von der Erde verschwunden. Es muß daher mit besonderer Freude und Dankbarkeit begrüßt werden, wenn Männer von Bildung und Intelligenz auf den Weltplan treten um das Ideal zu predigen, das Lessing in seinem „Nathan" in der Parabel von den drei Ringen so wunderbar gezeichnet hat. Zu diesen Männern darf auch der evangelische Prediger Albert Kalthoff in Bremen gezählt werden. In seinem herrlichen Werke „Religiöse Weltanschauung" *) lernen wir Kalthoff nicht bloß als modernen feinsinnigen Gelehrten kennen, sondern auch als Apostel der Humanität. „Der Glaube", — so schreibt er daselbst — *) Verlegt bei Eugen Diederichs, Leipzig 1903. 1. u. 2. Tausend. Preis 3 Mk.