Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Journal
- Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Volume
- 24 (1904)
- Issue
- Heft 5 (1.5.1904)
- Date
- 1904-05-01
- Page
- Seite 102 (sequence 8)
- Language
- German
- Belongs to
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— 102 — der Umstände herbeiführen." Auf diesem Boden können natürlich konfessionelle Sonderungen nicht bestehen, und als in deiiiselben Jahr 1811 ein christlicher Bürger ui» Aufnahme seines Sohnes in da- Philanthropin bittet, stimmen bi|e Vorsteher freudig zu und erklären zu Protokoll, daß schon der Name der Schule >jede einseitige Beschränkung ihrer Wirksamkeit au-schließe. Sie sei bisher jüdisches Philanthropin in dem Sinne genannt worden, daß ihre Wohltaten zunächst den! Glaubensgenossen der Begründer zukämen, nur mehr sei diese Beifügung wegzulassen und die Schule lediglich „Philanthropin" zu rennen. Mit ihren Anschauungen waren indeß Leiter ujnd Lehrer ihrer Zeit weit voraus geeilt, es fehlte ihnen wie so viele» ihrer Zeitgenossen das rechte Verständnis für das geistig-geschichtliche Leben, sie unterschätzten die Kraft, die organisch die entwickelte geschichtliche Gewalten, wie sie sich in den verschiedenen Religionsformen darstellen, besitzen. S e mußten es bald geschehen lassen, daß kühlere und ruhigere Naturen die religiöse Unterweisung der Jugend übernahmen, die an die geschichtliche ntwicklung des Judentums anknüpften und die Tradition mit den Forderungen Zeit in Einklang zu bringen verstanden. Auf geschichtlicher Grundlage bahnte Josef Johlson die Reform des Judentums an, die Andächtsstunde des Sonntags wurde zur Sabbatfeier umgewandelt, und im Andachtssaat des Compostells ertönten die alten Gesänge in deutschem Gewände gleichzeitig neben den herrlichsten religiösen Liedern deutscher Dichter; hier wurde das Gotteswort von geistig hervorragenden, modern gebildeten jüdischen Theologen der zahlreichen Gemeinde in mustergültiger Form übermittelt und das religiöse Interesse namentlich der gebildeten Schichten durch Jahrzehnte in außerordentlich reger Weise ivachgehalten. Johlsons ..Lehrgebäude der israelitischen Religion" gestaltete sein Mitarbeiter und Nachfolger, Michael Creizenach, in freiheitlichem Sinne weiter aus, noch größere Wirkung übte der feinsinnige, sprachgewaltige Lehrer durch seine Vorträge im Andachtssaal und in seinen Ansprachen bqi der Konfirinasion, die seit 1828 am Philanthropin allfeste Grnnd für einen modernen Unterricht in der jüdischen zwei weitere Lehrer der Anstalt gelegt. Markus Jost gab vor allem in seiner umfassenden Geschichte der Israeliten, er politischen nüd sozialen wie der literarischen und religi- Judentums und seiner Bekenner, Jakob Auerbach führte e durch seine biblischen Erzählungen das Heranwachsende der Bibel, den Urquell aller menschlichen Erkenntnis und inachahmliche Gedankentiefe und hie vollendete Form der der Propheten; der herrlichsten Poesie der Welt, erfassen jährlich stattfand. Der Religion ivnrde durch in zahlreichen Schriften eine klare Darstellung t öfen Entwickelung des durch sein Bibelwerk w Geschlecht in die Welt lehrte die Jugend die n Psalmen und der Worte und würdigen. Die segensvolle Arbeit dieser bedeutenden Männeic hat den israelitischen Religionsunterricht zu der Höhe geführt, die er heut in iunserem Vaterlande einnimmt. Niemals haben diese Lehrer ihre Schüler und Schülerinnen zur Unter-