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Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen · 1904-04-01 · Heft 4 (1.4.1904) · p. Seite 93

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Journal
Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
Volume
24 (1904)
Issue
Heft 4 (1.4.1904)
Date
1904-04-01
Page
Seite 93 (sequence 21)
Language
German
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93 in Sibirien, aus Besorgnis, sie würden dort Proselyteninacherei betreiben. Und witklich seien die Russen zweimal von einer jüdischen „Gefahr" bedroht gewesen. Zunächst von der, aus Heiden zu einem rabbinisch-jüdischen Volk zu werden, dann, statt der orthodoxen Religion ein Gemisch von Nationalismus und Judentum avzunehmen. Gegen das Ende des zehnten Jahrhunderts wurden von Anhängern dreier Religionen an den russischen Heiden Bekehrungsversuche gemacht, von Mohammedanern, orthodoxen Griechen und Juden. Die Mohammedaner konnten den Sieg nicht an ihre Fahnen fesseln, denn „für die Russen paßt keine Religion, die den Schnaps verbietet." Schließlich wich das Heidentum dem übermächtigen Einfluß von Byzanz. Aber lange Zeit schien es, als sollte Rußland dem Judentum erobert werden- Südlich von dem damaligen Rußland lag das Land der Chosaren, eines Volkes finnisch-tartarischer Abstammung, seit dem 8. Jahrhundert Bekenner der jüdischen Religion- Von der Geschichte dieses merkwürdigen Volkes ist uns wenig erhalten. So viel aber wissen wir, daß es sehr mächtig war und lange Zeit hindurch viele türkische und russische Stämme sich untertan und tributpflichtig hielt. Nach gewaltigen Kämpfen wurde im Jahre 664 die Macht des Chosarenvolkes gebrochen. In welche Zeit der Verlust ihrer politischen Unabhängigkeit fällt, ist nicht bekannt. Wie nun der Nationalkampf der Hunnen mit den Germanen Veranlassung zur Entstehung des Nibelungenliedes gab, das aus einzelnen Liedern des Volksmundes.zu jenem gewaltigen Nationalepos ward, ist auch der Kampf der Chosaren und Rüsten in einem Epos verewigt. Der Streik geht hier, wje's auch in Wahrheit geschah, um die Religion- Der „böse Feind" heißt einfach „Der Jude", der russische Nationalheld ist Elms von Muron. Der Kampf mit „dem Juden" ist in vollbreitem Epenstil geschildert; er ist lang, hart und schwer. Der „Sohn des Popen" ist nicht tauglich zum Streit mit ihm, er würde nach dem gleißenden Gold der Rüstung des Gegners greifen und wäre besiegt, der Sproß des Adels trägt ein langes Habit, würde sich darin verwickeln und stürzen. Selbst den größte» der Rustenhelden nach Elias fließt J ber Mut aus der Brust, als er sich dem „Frechbold" gegenüber sieht, er weicht eistsetzt in das eigene Lager zurück. Man sieht, es fehlt nicht an seinem Spott- Uns so mehr tritt da die Achtung hervor, die der Jude dem Russen abzwingt. Dsr Jude ist da nicht in der passiven defensiven Rolle, in der man ihn heute zu sehen gewohnt ist, er tritt aktiv, aggressiv hervor. Endlich sieht Elias van Muro», daß keiner ihn vertreten kann, er selbst muß de» Strauß ausfechten. Er kämpft vom! Morgen bis zum Abend, vom Abend bis zum Morgen und wiederum bis zum Albend und liegt schließlich am Boden, von den: grimmen Gegner fast besiegt. Dpch als dieser mit höhnenden Worte» sich anschickt, ihn: „aufzuschlitzen die Brust, die weiße", kommt ihm die dreisache Kraft und er schleudert den fun$tr; baren Feind empor zu den Wolken, der, niederstürzend zur Erde, bis zur Hälfte,in den feuchtes Boden versinkt, und ninimt ihm Lebe» und Haupt. Die dreifache Heldenkraft I braucht er, den Schreckliche» zu besiegen. Hier zeigt das Epos hohe^

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