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Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen · 1904-04-01 · Heft 4 (1.4.1904) · p. Seite 92

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Journal
Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
Volume
24 (1904)
Issue
Heft 4 (1.4.1904)
Date
1904-04-01
Page
Seite 92 (sequence 20)
Language
German
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Revisoren wählte man S. Cassel und Dr. Robert Hastdke. Mit Dankesworten des Vorsitzenden an die Erschienenen schloß, die äußerst zahlreich besuchte Versammlung, welche den erfreulichen Beweis erbracht hatte, daß die Vertreter der verschiedensten jüdischen Parteien ein gleich lebhaftes Interesse an der «Statiftif nehmen und sich auf dem Boden dieses Vereins zu gemeinsamer Arbeit znsammenfinden. Im Laufe der Versammlung trugen si ch viele Anwesende,als tätige oder un erstützende Mitglieder ein. — Die israelitische Gern ündefeier in Kostu, welche aus Ar laß des sünfundzwanzigjiihrigen Bestehens der Synagoge unter zahlreicher Teilnahne der Gemeindemitglieder abgehalten »vurde, verlies, in einer ihrer Bedeutung würdigen Weise. Herr Arthur Samuel sprach einen von Frl. Lina Höchster gedichteten Prolog, Synagogenvorsteher Robert Goldschmidt brachte den Drinksprnch auf den Kaiser aus. Alsdann nahm Rabbiner Dr. Kallscher das Wort) um drei Vorstandsmitglieder zu feiern, deren Verdienste um den Synagogenbau und die Gemeinde in überaus herzlicher Form anerkannt wurde. Herr Max Herschel hob hervor, daß Herr Dr. Kalischer es in der kurzen Zeit seines hiesigen Wirkens verstände! hätte, die israelitische Schule Bonns auf eine vis jetzt nicht d^gewesepe Stufe zu heben. In das Hoch auf Dr. Kalischer stimmten alle Festteilnehmer begeistert ein. Ein Mitglied des Vorstandes feierte in einer vortrefflichen Rede den Synagogen-Chor und verwies auf die beiden ältesten Mitglieder desselben, Frau Leop. Feldmann und Herrn Samuel Lazarus. Der Synagogen-Chor sang unter Leiliing seines Dirigenten, des Herrn Organisten Köhler, drei sehr beifällig aufgenorimene Lieder. Gemeinschaftlich gesungene Liedet und noch mancher Toast würzien die schöne Feier. — Der fürstliche Archivar Dr. Jivier aus Meß hielt jüngst i;t Kattowitz auf Veranlassung des Vereines für jüdische Geschichte und Literatur eiien anregenden Vortrag, der zunächst den uralten Gegensatz des Russentums zum Judentum erläuterte. Wenn jetzt annähernd 50 Perzent aller Juden der Erde im Reiche des Zaren wohnten, so läge das nicht daran, daß etwa das offizielle Rußland seine Politik gegenüber den Juden geändert hätte.! So sei es diesen heute noch verboten, im eigentlichen Rußland Wohnsitz zu nehmen; ihre Siedlungen seien viel mehr Südrnßland, die Ostsceprovinzen und ganz Polen. Die ursprüngliche Abneigu lg des Stockrussen gegen alles Jüdische sei nicht etwa in einer Furcht vor Übervorte lung begründet, sage ja auch das Sprichwort: „Eiy Russe ist pfiffiger als sieben Juden", sondern sie sei religiöser Natur. So äußerte die Kaiserin Elisabeth, als machte, daß die Vertreibung der Juden ans den Ostseeprovih finanziellen Schaden zufügen werde, sie Feinden Christi. Iwan der Schreckliche wolle keinen pekuniären Profit antwortete dem Könige von Polen, man ihr Vorstellungen izen dem Reiche großen von den der sich darüber beschwerte, dc ß seinen jüdischen Untertanen d :r Handel in Rußland verwehrt lverde, diese wollten die Russen vom Christentum verkauften giftige Kräuter (Tabak). Und noch Nikolaus I., schon dem aufgeklärten 19. Jahrhundert angehörte, verbot den Juden die Einwanderung Mimumm abspenstig machen und ein Monarch, der doch

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