Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Journal
- Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Volume
- 24 (1904)
- Issue
- Heft 4 (1.4.1904)
- Date
- 1904-04-01
- Page
- Seite 89 (sequence 17)
- Language
- German
- Belongs to
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Existenz erkaufen zu wollen. Wäre das Judentum nicht bereits dem einen Weltstaat anstrebenden Römertum gegenüber „national", so hätte es in seiner Gesetzestreue fest Zusammenhalten müssen dem eine „Weltreligion" anstrebenden Christentum gegen» über, das, wie aus dem Briefe Pauli an die Kollosser hervorgeht, kosmopolitisch, also „entnationalisierend" zu wirken suchte- Die Führer des Judentums hatte» ~ nach dein Zusammenbruch des jüdischen Staates durch den Ausbau des Gesetzes eine neue geistige Zentrale geschaffen und damit eine unvergängliche Großtat geleistet, denn das Gesetz erwies sich als ein Grundpfeiler, an dem alle Wogen abprallten .. und der es den Juden möglich gemacht hat, über alle Klippen Jahrtausende hindurch; ihre heiligsten Güter zu retten. In Moralfragen habe es zwischen dem Judentum und dem Christentum nie einen Unterschied gegeben und gebe es noch keinen. In j religiösen Fragen wäre eine Einigung anfangs möglich gewesen, aber das jüdische konnten und wollten die Juden nicht aufgeben, weil damit ihr Untergang besiegelt s worden wäre. Dafür haben sie unsägliches erduldet, seit undenkliche» Zeiten mit 1 Zähigkeit gekämpft, und dafür werden sie stets weiter kämpfen, um das Judentum " zu erhalten — Die städtische Bibliothek zu Kassel besitzt eine recht wertvolle, wenn auch nicht ganz vollständige Handschrift des „Alten Testaments". Sie stammt mit anderen Manuskripten aus der Erbschaft des Kurfürsten von der Pfalz, des letzten - Sprosses der Pfalz-Simmer'schen Linie und war früher in Heidelberg aufbewahrt. - Der Hanauer Superintendent I. G. Schiede hat 1748 eine 174 Seiten lange Ab-; Handlung über sie in Bremen und Leipzig erscheinen lassen. Dies genügte jedoch;ij dem berühmten Orientalisten I. D. Michaelis in Güttingen nicht, und er erbat sich i die Handschrift zu weiterem Studium »ach Göttingen. Der Landgraf Friedrich ] der Zweite gewährte die Versendung nach der benachbarten Universitätsstadt im < Jahre 1767, ließ dieselbe unter dem Schutz einer Eskadron hessischer Husaren nach' Göttingen schaffen und sich vom Rektor und Senat einen Revers über die nnver- ' sehrte Rückgabe des Manuskriptes ausftellen. — Die königl. Bibliothek von Stockholm h besitzt eine Bibel im Werte von 400 000 Mark. Dieselbe hat 160 Blätter, dir 80 Zentimeter lang und 67 Zentimeter breit sind. Der Text ist mit prächtige«^ Miniaturbildern illustriert, die Buchstaben sind l Zentimeter hoch, die Decke ist' aus poliertem Eichenholz von zehneinhalb Zentimeter Dicke, die-qanze Bibel wiegt — 60 Pfund. — In Dielefeld wurde das fünfundzwanzjährige Jubiläum des i verdienten Vorsitzenden der Synagogen-Gemeinde, Herr Moritz Kahenstein gefeiert' und wurden ihm aus diesem Anlasse herzliche Zeichen der Anerkennung zu teil. —j Das jüdisch-theologische Seminar in Kreslau veranstaltete im Festsaale seiner Lehr- , anstatt eine Gedächtnisfeier für seinen am 27. Januar 1846 verstorbene» Begründer^ und hochherzigen Philanthropen, Kommerzienrat Jonas Frankel. Gleichzeitig wurd^ hiermit die Feier des Geburtstages seiner Majestät des Kaisers verbunden. Eie^ geleitet wurde der Festaktus mit dem Gesänge drs Psalm 16. vorgetragen vvGs Seminarchor. Hierauf hielt der gegenwärtige Vorsitzende des Lehrerkollegiums dpt: