Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Journal
- Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Volume
- 24 (1904)
- Issue
- Heft 4 (1.4.1904)
- Date
- 1904-04-01
- Page
- Seite 88 (sequence 16)
- Language
- German
- Belongs to
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88 jetzigen Zeitrechnung rage zu beantworten: "gegenüber eine so mächtige Amfangs passiv verhalten es Gesetzes niedergeriss« Mfgabe dem Christentum ihrel/utten 100 000 M gespendet. — In § erlitt hielt Herr Rabbiner Dr. Ziegler aaS/Karlsbad einen Vortrag über „Das Judentum in den ersten drei Jahrhunderten . Der Redner hatte es sich zur Aufgabe gestellt, die Warum hat sich das Judentum, das dem Heidentum Propaganda entwickelte, bei der Enstehung des Christentums? Warum hat es nicht rechtzeitig selbst die schranken n und sich dadurch zur Weltreligion gemacht, statt diese zu überlassen? Warum hat das Judentum, wenn es Mcht mit dem Paulinismus paktieren wollte, nicht sofort gegen die neue Lehre Stellung genommen? Auf welche Weise hat dann das Judentum in den ersten drei Jahrhunderten der jezigen Zeitrechnung den Kampf gegen die immer mächtiger werdende Bewegung geführt? Der Vortragende betonte, daß es anfangs den Juden gar nicht nötig erscheinen konnte, gegen den Urkeim des Christentums sich zu wehren, weil sein Vertreter selbst die strengste Beobachtung der jüdischen Gesetze empfahl und eine einwandlose Sittenlehre predigte, auch so weit seine Aussprüche in der ursprünglichen Fassung erhalten geblieben scheinen, höchstens de» Scheinheiligen, nicht aber den aufrichtigen, strenggläubigen Pharisäern einen Grund geboten hat, gegen ihn anzukämpfen. Der Bo ctragende suchte dies in geistvoller Weise aus dem neuen Testamente und dem jüdische» Schrifttum zu beweise», und er stellte den Stifter der christlichen Religion schließlich als ein Opfer der „herodianischen Usurpatoren" dar, welche in jeder mesfanischen Bewegung eine große Gefahr hätten erblicken müssen und sich deshalb ebenso gegen ihn wie früher gegen Thendas und Johannes gewandt hätten. Erst als nach dem Tode Jesu seine Jünger in der Diaspora das ^Dogma der Auferstehung verkündeten, gegen chas sich die Inden ablehnend verhielten, -während die wundersüchtigen Griechen sich dafür erwärmten, begannuen die Jünger Christi sich von dem jüdischen Gesetze mehr und mehr loszulösen und die Inden In die Zwangslage zu versetzen, die ihnen heilige» Gesetze zu verteidigen. Der Mortragende schilderte dann den Werdegang des Christentums in den ersten drei ^Jahrhunderten, bei dem das ursprüngliche jüdische Wesen und die jüdische Form mehr und mehr abgestreift »uurde« und an stelle der „Messianität" Jesu die Lehre -'von der „Trinität und der Gottheit Jesu" zur Geltung gelangte. Die palästinensischen Juden wären durch die fortwährenden Versuche, sich gewaltsam vom römischen Joche zu befreien, verhindert genesen, ihren Glaubensgenossen in der Diaspora bei dem Kampfe gegen die neue Bewegung Beistand zu leisten, und nun sei nichts weiter übrig geblieben, als das alte religiöse Gesetz zu schützen und dadurch zu erhalten, daß man zugleich das Slammesbewußtsein zu kräftige» suchte, welches tatsächlich wesentlich dazu beigetragen habe, das Judentum trotz tausendjähriger Prüfungen «üd Leiden lebenskräftig za erhalten. Wenn auch das Judentum nach wie vor "alle Menschen in der Anbetung des einig'einzigen Gottes zu vereinigen suchte, so lag es ihin doch ganz fern«, diese ideale Hoffnung mit der Aufgabe der eigenen «*i*ton ,tiA,