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Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen · 1904-04-01 · Heft 4 (1.4.1904) · p. Seite 87

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Journal
Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
Volume
24 (1904)
Issue
Heft 4 (1.4.1904)
Date
1904-04-01
Page
Seite 87 (sequence 15)
Language
German
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87 Geistige Anregung wird den Insassen durch eine aus 6 Herren bestehende Vortragskommissibn geboten. Für'die Zuwendung von wäre der Vorstand sehr dankbar- Man bittet Kleidungsstücken und Naturalien derartige Geschenke direkt an die Anstalt Weißensee. Wörthstraße 20 zu richten. Geldsendungen aber zu adressieren: An> den Deui sch-Jsraelitischen Gemeindebund, Berlin. W. Steglitzerstr. 85. — Zum Besten der Lehranstalt für die Wissenschafr des Judentums hielt der grogherzogliche Landesrabbiner Dr. Julius Lewit aus Birkenseld a. d Nahe in Kerlin über Kohelet („Prediger Salomonis") und Schopenhauer. Der Redner, behandelte auf dem Hintergründe dieses Vergleichs den Gegensatz des Judentums im allgemeinen zum Pessimismus? Er erläuterte die Gegensätze Optimismus und Pessimismus und gab aus Schopenhauer'- Werken, die in der Form und Darstellung zu den schönsten Werken der deutschen Literatur gehören, einige für das Wesen dieses modernen Pessimisten bezeichnende Leseblllten. Er skizzierte den Charakter Schopeuhauer's und seine Abneigung gegen die Juden und die Bibel. In dieser waren es nur zwei Stellen, die ihm gefall« " konnten, da sie in sein philosophisches System paßten : Die Geschichte vom Sündenfall der ersten Menschen und das Buch Koheleth, das er ost in seinen Werken zitiert hat Der Verfasser des Buches Koheleth, als den man oft den König Salomon, den Weisesten der Weisen, angegeben hat. entsprach auch in seiner Lebensverneinung und seiner Resignation, die in dem Satze gipfelte: Alles ist eitel und ein Haschen nach Wind, so ganz dem Wesen Schopeiihaiier's. Vielleicht auch, weil $8 sich in diesem Pessimismus scharf vom Bibeloptimismus der Juden abhebt. Trotzdem besteht zwischen den Anschau, ungen der Koheleth und denen Schopeuhauer's ein Unterschied, der sich am kürzesten in die Worte fassen läßt: Jener zweifelte wohl, aber er verzweifelte nicht, wie Schopenhauer es in seinem das Leben ganz verneinenden Pessimismus getan,hat. Der optimistische Standpunkt der Bibel — so führte Dr. Lewit weiter aus — entspricht den Anschauungen der größten deutschen Denker und Dichter. Auf ihm steht Leipniz mit seiner Lehre von der Vollkommenheit dieser Welt, auf ihn gründet sich Kant's nüchtern-klare Lebensbejahung. Schiller und Goethe bekennen sich in deutschem Idealismus zu ihn«. Goethe konnte dem alle Menschen verachtenden Schopenhauer, als dieser von Weimar ging, nichts Treffenderes ins Stammbuch schreiben als das Wort: „Wonach soll der Mensch am Ende trachten? Die Welt zu kennen und sie nicht verachten." Zuin Schluß seines sehr verständlich ge» haltenen Vortrages kam Dr. Leivit auf das Wort von der „Freiheit in der Entwickelung der Religion" zu sprechen dem e^ein großes Fragezeichen anfügte. .Entwickelung in der Form wohl, nicht abcrun Wesen der Religion ist möglich; den»', noch heute besteht der Gipfelpunkt der Moral und aller ivahren religiösen Sittlichkeit^ in jenem altisraelitischen Satze Hillels: „Was Du willst, das die andern Dir «nM tun, das tue Du ihnen auch nicht." — Frau Geheimrat Simon die Witwe deg? kürzlich verstorbenen Geheimen Kominerzieurats Louis Simon, hat der Lehranstalt für dies Wissenschaft des Judentums zur Kreierung eines ne««en Lehrstuhls aus dem Nachlasses

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