Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Journal
- Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Volume
- 24 (1904)
- Issue
- Heft 4 (1.4.1904)
- Date
- 1904-04-01
- Page
- Seite 86 (sequence 14)
- Language
- German
- Belongs to
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86 preußischen Verwaltungsb« Hörde anerkannten Centralstelle erlangt, waS wohl von fyt keiner anderen jüdischen Anstalt gelten dürfte. Ja, noch mehr, auch die Kgl. Wnrtteinbergischen u. Großherzog! iche Hessischen Ministerien des Innern sind hierin dem ^-Beispiele des preußischen Minesteriums gefolgt. Tatsächlich haben die Anstalten " «» Repzin und Plötzensee wenigstens bei einem Teile ihrer Zöglinge gute Ergebnisse aufzuweisen: einige Knabe» konnte» in Lehrstellen bei Handwerkern, einige Mädcheil im häuslichen Dienst untergebracht werde». Allerdings stoßt das Curatorinm bei terbringung von Knabeji auf große Schwierigkeiten. Es wäre zu wünschen, daß Ws hierbei bei dem jüdischen Handwerkerstände und den jüdische» Gutsbesitzern größeres Entgegenkommen fände. Die jüdische Arbeiterkolonie in Weißensee hat sich in erfreulicher Weise weiter entwickelt: die Frequenz ist auf 80 Mann gestiegen, die in ausreichender und gewinnbringender Weise beschäftigt werden. Die hohen Staatsbehörden haben in Anerkennung der großen sozialen Verdienste der Anstalt ihr die . Rechte einer milden Stiftung und damit die Befreiung von Stempel- und Gerichtskosten gewährt Auf Anregung des Fürstlich Pleß'schen Archivars Dr. Zivier und der Großloge des U. 0 B- B. für Deutschland hat der Ausschuß die Bekundung eines allgemeine» Archivs der deutschen Inden in Aussicht genommen. Ein ^/Erfreuliches Zeichen des Vertrauens, das der Bund in den urteilsfähigsten Kreisen * genießt, ist die Tatsache, daß Herr Stadt- und Bezirksrabbiner Dr- Michael Silberstein in Wiesbaden und seine Frau Gemahlin ihm ein Kapital von 30000 Mk. für eine milde Stiftung zu Gebote gestellt haben, die in ihrem Hauptbestandteil als Stipendienfonds für Studierende bestimmt ist, während mit dem Rest allgemeine wissenschaftliche und kulturelle Zwecke gefördert werden sollen Um Jrrtümer zu vermeiden, müssen wir nachdrücklich hervorheben, daß die Stiftung erst nach dem Ableben des verehrten Donatorenpaares in Kraft treten wird. — Am ■> Januar fand im Bureau des D. I. G. B. eine gemeinschaftliche Sitzung des Vorstandes und des Wohlfahrtsausschusses des „Vereins Jüdische Arbeiterkolonie" statt. Aus dem Berichte über das letzte Halbjahr ist zu entnehmen, daß daß Institut in erfreulicher Weise seinen nachstehenden Aufgaben gei echt wird. Infolge der Einführung neuer Beschäftigungszweige war es möglich, die Frequenz auf die Zahl 80 zu erhöhen. Der Zudrang Arbeitsuchender ist aber so groß, daß das Curatorinm sich entschlossen hat, sofort Vorbereitung zur Aufnahme von 10 weiteren Insassen zu treffen. Wiewohl sich die Anstalt bei den höchsten Staatsbehörden, die ihr kürzlich die Rechte einer milden Stiftung verliehen haben, wie auch beiin jüdischen Publikum schätzbarer Sympatie erfreut, so hat doch di? zn Rapsch Haschono veranstaltete Propaganda nur ein dürftiges Ergebnis gehabt: der Etat des Instituts ist durch feste Jahresbeiträge längst nicht gedeckt. Eine besonders eingesetzte Propagandakommission wird sich bemühen, von Gemeindebehörden, Vereiiten und Privaten die erforderlichen festen Beiträge zu beschaffen. Eine Vergrößerung der Einnahmen wird auch von der Begründung von Jahrzeitstiftunge» erwartet. Ter Gesundheitszustand in der Anstalt ist ein günstiger.