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Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen · 1904-04-01 · Heft 4 (1.4.1904) · p. Seite 82

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Journal
Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
Volume
24 (1904)
Issue
Heft 4 (1.4.1904)
Date
1904-04-01
Page
Seite 82 (sequence 10)
Language
German
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— 82 — hörte, so sagen unsere altsn Lehrer, mit deni Tode des Propheten Maleachi die prophetische Begabung auf,! aber sehr treffend bemerkten sie an einer anderen Stelle: *€>inb unter Israel auch feine Propheten mehr, so ist doch Israel mit Söhnen von Propheten zu vergleichen". Sie wollten damit sagen, daß wenn auch die / prophetische Begabung iit Israel aufgehört habe, die prophetische Begeisterung in Israel weiter fortleben j muffe. Diese prophetische Gottesbegeisterung aber, der ^ruach adonoj“, der Gottesgeist muß in erster Linie den erfüllen, dem die öhe Aufgabe zugefallen ist! religiöser Führer einer Gemeinde und Verkünder des ^göttlichen Wortes zu sein;! denn so wenig der Prophet dem Wahrsager gleicht.? rbenso wenig darf der Verkünder des Gotteswortes wetteifern wollen t denen, die auftreten auf den Brettern, die dieWelt bedeuten. Denn für den religiösen Führer in Israel paßt nur eine Rolle, die Rolle aufrichtiger und wahrer Gottesbegeisterung, dann wird es ihm gelingen. daS Vermächtnis Abrahams zu erfüllen, und zu lehren: „wechomru de rech adonoj laasos zedokoh umischpotj“ wie man in den Wege» Gottes wandeln soll, wie man Gerechtigkeit und ReH, Liebe und Humanität zu üben hat.! n. M. A.! So hoch auch die Begeistemng geschätzt werden muß, so daß ohne sie kaum ein edler Mensch gedacht werden kan», so leicht kann sie doch zur Schwärmerei führen. Biel leichter aber ist's, um mit dem Dichter zu sprechen: „andächtig schwärmen, als vernünftig handeln," darum muß zum „mach adonoj“ zur Gottbegejsterung hinzutreten .,ruach chochmph uwinoh“ der Geist der Weisheit und Einsicht, der Blick für das wirkliche Lebet,. Dieser Geist der Erkenntnis und Einsicht, der Blick für das wirkliche Leben zeigt sich auch bei unserem Stammvater Abraham. Nicht etwa verbrachte er seine Tatze in einsamer Zurückgezogenheit und stiller Beschaulichkeit, er trat vielmehr hinauß in die Welt und verstand es selbst seiner heidnischen Umgebung Achtung für seinen Glauben abzuringen. Er verstand es auch, wie unsere Weisen erzählen, Mittel und Wege zu finden, seine Nebenmenschen zur Dankbarkeit und Liebe zu Gott zu erziehen. Zogen Wanderer an seinem Hause vorüber, so lud er sie ein und bewirtete sie mit Speise und Trank. Wollten sie alsdann Abraham rühmen und preiset,, so sprach er „Wir, mir wolltet ihr danken, mich preisen und rühmen? Nein nicht mir gebührt der Dank, sondern dem, der dieWelt ins Dasein gerufen hat. D:nn was ich bin und was ich habe, das verdanke ich selbst nur Gott. Bon dem rias er mir gegeben hat, habeich euch gespendet, darum preiset und rühmet Gott den Schöpfer des Weltall's." Dieser Geist der Weisheit und Einsicht, dieser Sinn für das wirkliche Leben zeigt sich auch bei den späteren Propheten. Wir brauchen bloß ihre Reden zu lesen, um alsbald zu erkennen, daß sie nicht unverständige Schwärmer waren, die über dem Himmel die Erde vergaßen. Sie zeichneten sich vielmehr!aus als besonnene Beobachter der irdischen Verhältnisse, durch Umsicht und reiches Wissen auf allen Gebieten menschlichen Lebens und Strebens

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