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Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen · 1904-04-01 · Heft 4 (1.4.1904) · p. Seite 80

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Journal
Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
Volume
24 (1904)
Issue
Heft 4 (1.4.1904)
Date
1904-04-01
Page
Seite 80 (sequence 8)
Language
German
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1 Weisen bejahen diese Frage, indem sie bemerken „Abraham 86 nabi“ „Abraham ist daS Bild eines echten Propheten". Sie berufen sich auf die Worte, die Gott selbst zu dem Könige Abintelech sprach ,,ki nabi hu“ „Abraham ist ein Prophet." Areilich darf dieses Wort picht in dem Sinne genommen werden, wie es zumeist beim ersten Augenblick ausgefaßt wird, denn „nabi“ bedeutet nicht Wahrsager, nicht Zeichen-, nicht Zukunftsdeuter. In diesem Sinne gab es allerdings Propheten bei heidnischen Völkern des Altertums. Israel dagegen steht durch seine Prophetie, f—' so ruft ein berühmter, nichtjüdischer Forscher aus — einzig in der Weltgeschichte da.*) „Nabi" bedeutet nicht Wahrsager, nicht Zeichennicht Zukunftsdeuter, sondern vielmehr der Gotterleuchtete, der Gottbegeisterte und in diesem Sinne war Abraham ein Prophet in des Wortes schönster Bedeutung. In seiner Seele leuchtete zum ersten.Male unter allen,Menschen die Idee des einig einzigen Gottes auf, und .seit jener Zeit erfüllt die edelste Gottbegeisterung sein Herz. Unbekümmert darum. ).chaß die Welt ringsumher in tiefsten Götzendienst versunken ist, unbekümmert darum, -daß heidnische Nationen aus Furcht und Grauen vor mächtigen Naturgewalten Lgahllosen Göttern Opfer brachten, errichtet Abraham überall, wohin er kommt, Altäre ^L«r Verherrlichung des einig einzigen Gottes. Seine Gottesbegeisterung kennt keine ^Grenzen. denn selbst als der Allvater die schwersten Opfer von ihm verlangt, der - Güter Höchstes zurückzugebejn. das er ihm verlieh, den einzig geliebten Sohn, schwindet nicht seine Gottesbegeisterung, er ruft vielmehr aus: „Hinenni“ „ich bin ' bereit". „Hinenni" „ich bin bereit", das bleibt sein Losungswort, wo es gilt zu erfüllen das Gotteswort, wo es gilt „Iaa8os zedokoh umischpot“ zu üben Gerechtigkeit und Recht. Ja er übt nicht bloß Gerechtigkeit und Recht, sondern zedokoh. Menschenliebe im edelsten Sinne des Wortes. Man hat dem Judentume, um seine ethische Bedeutung herabzusetzen, vorgeworsen, es kenne nicht die Liebe zum Sünder. Nun, unser Stammvater Abraham straft Lügen jene fälschen Anschauung, betet er doch für die Sünder von Sodom und Gomorrha in eiher Weise, die uns mit tiefster Rührung erfüllen muß. Ob dieser edlen Menschenliebe, die nicht den Sünder, nur die Sünde verurteilt, hielt Gott Abraham für würdiger, als alle Geschlechter, die ihm vorangegangen Maren. Denn als Abraham,! so erzählen unsere Weisen, Gott um Barmherzigkeit -für die Sünder anflehte, da sprach der Ewige zu ihm: Du liebst nicht nur allein Gerechtigkeit, sondern bist auch bestrebt, meine Geschöpfe zu rechtfertigen, du hassest lmir das Unrecht und die Süiide, nicht aber den Sünder selbst. So wisse: Nicht idie Geschlechter, die vor dir gelebt, sondern erst dich halte ich für würdig, das Gotteswort zu vernehmen. **) Durch diese , herrlichen Eigenschaften, durch seine *ble Menschenliebe, durch sein Streben nach Gerechtigkeit und Recht ward Abraham *) Stade, Geschichte des Volkes Israel. **) Jalknt Bereschis Kp. 83.

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