Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Journal
- Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Volume
- 24 (1904)
- Issue
- Heft 4 (1.4.1904)
- Date
- 1904-04-01
- Page
- Seite 79 (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
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des Judentums, eine Zierde der Wissenschaft ist, sondern auch ein Meister der Beredsamkest. Wie sollte Bangigkeit nicht mein Herz beschleichen, da ich wie unser Stammvater Abraham ausrufen muß: „8er wetoschab onochi imochem.“ „Nur ein Fremder bin ich, der unter euch weilt", ein Fremder, nicht vertraut mit eueren! Gewohnheiten, Sitten und Lebensanschauungen. Doch nicht allein mein Gottvertrauen! drängt zurück das Gefühl der Bangigkeit, sondern auch jene göttliche Stimme, die! mir zuruft das Wort, das einst an Abraham erging „al tiro“ „fürchte dich nicht,! bange und zage nicht." Dies Wort rief die göttliche Stimme mir zu, als ich vors 15 Jahren nach Vollendung meiner Studien mein Vaterland, mein Vaterhaus uichs meinen Geburtsort verließ, um jene Bildungsstätte aufzusuchen, die es sich zur Aufgabe macht, jüdische Religion und Wissenschaft mit einander zu vereinigen. Die-? Wort und di ief mir die Gottesstimme zu, als ich vor einem Jahrzehnt das Gotteswort i in meiner mir lieb und teuer gewordenen Gemeinde zum ersten Male verkündete,! ses Wort „al tiro“ „fürchte dich nicht, bange und zage nicht", ruft mir die göttliche Stimme auch jetzt zu, wo ich als Fremder nnter euch weile. Allein „wo ekro“ was soll ich künden? Als ich diese Frage vor kurzem in meinem Hetzen erwog, da trat mir vor die Seele das Wort unserer Weisen: „Willst andere du' schmücken, so schmücke erst dich selbst." Nicht kann es sich ja heute darum handeln» bloß eiue Probe rednerischer Begabung abzulegen, sondern vielmehr Euch, m. A.» womöglich einen Einblick in mein Herz zu geben und wenigstens anzudeuten, wie ich' bisher meinen Beruf zu erfüllen bestrebt gewesen bin, und darum will ich zum f Gegenstände der heutigen Betrachtung wählen die Frage: Welcher Geist muß ml demjenigen walten, dem die hohe und erhabene Aufgabe geworden ist, religiöser! Führer einer Gemeinschaft und Verkünder des göttlichen Wortes zu sein? Um diese 1 Frage zu beantworten, wollen wir beherzigen des Propheten Mahnung. „Blicket hin auf eueren Vater Abraham" und die hehre und erhabene Gestalt dieses Stammvaters ins Auge fassen; anknüpfen aber wollen wir unsere Betrachtung an die! die morgen aus der Thora verlesen werden: „Ich, der Ewige, habe! am ausersehen, auf daß er hinterlasse seinen Söhnen ulldf Hause nach ihm, daß sie beobachten den Weg deS Ewigen,! üben Gerechtigkeit und Recht." Zu dir, o Allmächtiger, flehe ichu dir wohlgefällig sein die Worte meines Mundes, die Gedanken meine-! Worte, Abrah feinem daß si „Mögen Herzens I. M. A.! Unser Stammvater Abraham wurde von Gott dazu ausersehe«»! nicht bloß seine» Söhnen, sondern auch allen nachfolgenden Geschlechtern den 8 Gottes zu lehren, er ward berufen, nicht nur Israel, sondern die ganze Menschh zu erleuchten. Demnach hatte bereits unser Stammvater Abraham jene-ebenso und erho bene, wie schwierige und verantwortungsvolle Aufgabe zu erfüllen, der die späteren Propheten unterzogen. War also auch Abraham ein Prophet? Uri