Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Journal
- Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Volume
- 24 (1904)
- Issue
- Heft 4 (1.4.1904)
- Date
- 1904-04-01
- Page
- Seite 74 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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74 alle Jnteressenkreise enger zusbmmenschließen, um das, was sie näher angeht, gegen ^Schädigung zu wahren und durch eigene Verbände ihre wesentlichsten Interessen ijur Geltung zu bringen. Wir sehen, wie dies dem „Bunde der Landwirte" geglückt .. wie aber auch religiöse Gemeinschaften durch geschlossenes Auftreten in der Öffent' Mkeit versuchen, ihren Bestrebungen Anerkennung zu verschaffen, so der Katholiken- Mg, der Protestanten-Verein, s>er Evangelische Bund u. a. m. Ein einiges Element H Deutschland, das schwächst^, am wenigsten durch offizielle Organisation geeinte, deshalb den Zusammenschluß besonders nötig hätte, hat diesen bisher beständig hgelehnt — das ist die deutsche Judenheit! Sie ist ohne jede Vertretung nicht der Regierung gegenüber, sondern auch im Reichstage geblieben, weil sie es Mannte, wie gerade einer sthwachen Minderheit der Bevölkerung ein fester Zuemmenschluß zu statten kommt. Diese Scheu, in der Öffentlichkeit berechtigte Anbrüche geltend zu machen, mag auf Bescheidenheit zurückzuführen sein, aber eine übertriebene Bescheidenheit wird in allen Fällen allgemein nur als Schwäche beurteilt stmd ist nur geeignet, die Gegner zu Angriffen zu ermuntern. Wenn trotzdein der Dedanke eines Zusammenschlusses des deutschen Juden vielfach auf Bedenken stieß, tvar dabei auch die wohlbegrürdete Abneigung mit' im Spiel, den zahllosen Vereinen »en neuen hinzuzufügen. Min wandte ferner gegen den Plan einer Bereinigung ein, daß eine solche für die deutschen Juden bereits im Zentral-Berein deutscher Staatsbürger jüdffchen Glaubens bezw. auch in dem Deutsch-Israelischen Gemeinde- Hund vorhanden sei, daß es deshalb keiner neuen Veranstaltung bedürfe. Dabei verkannte man aber, daß gar kein neuer Verein gegründet, sondern nur für die bereits bestehenden und segensreich wirkenden großen jüdischen Organisationen in Deutschland ein fester Zusammenschluß durch einen Zentral-Verband und für die fehlende staatliche Organisation eine freiwillige Organisation geschaffen werden soll, nfi der als einer legitimierten Vertretung aller deutschen Israeliten von da ab allgemein zu rechnen wäre. skSräelitische Gemeindebund' als Deutschland berufen sein, wenn er ädischen Gemeindewesens gezwungen »gelegenheiten zu beschränken, Zu einer solchen Vertretung würde der Deutsch- Zusammenfassung der meisten jüdischen Gemeinden nicht durch die historische Entwicklung des wäre, seine Tätigkeit auf Verwaltungsünd wenn nic^t;feine Stellung als mittelbare Ver- Waltungsbehörde den Regierungen gegenüber es ihm unmöglich machte, in Fragen politischer Art irgend welche Verantwortung zu' übernehmen. Aus diesem Grunde scheint dazn der Zentral-Verein deutscher Staatsbürger jüdischen Glaubens besser geeignet, zMnal er in vielen Fällen sich bei der Verteidigung der Rechte der Juden bewährt und durch die Sammlung einer großen Zahl von Mitgliedern der Einigung vorgearbeitet hat. Dennoch nimmt ihn seine spezielle Tätigkeit zu sehr in Anspruch und reicht seine Organisationswiise und Legitimation nicht dazu aus, als eine Vertretung des gesamten deutschen Judentums mit derjenigen Wucht aufzutreten» welche die Zeitverhältnisse erfordern. Dies vermag nur ein Zentral-Verband, der