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Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen · 1904-03-01 · Heft 3 (1.3.1904) · p. Seite 71

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Journal
Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
Volume
24 (1904)
Issue
Heft 3 (1.3.1904)
Date
1904-03-01
Page
Seite 71 (sequence 25)
Language
German
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gegen erscheinen, wie gesagt, ebenso abgeschmackt, mag auch der Sinn noch so erhaben sein, der in ihnen verschlossen liegt. Daher haben diese Erzählungen einen unbeschreiblichen Schaden dem Judentum zugrsügt, indem die „ungebildete Masse" sich nur zu oft an dem bloßen äußeren buchstäblichen ^Sinne der Erzählungen hielt." (ibid. 8. 53.) „Allein nach dem wahren Sinne des Judentums ist die Gottheit die absolute Reinheit und Einigkeit. Alles was von Gott erschaffen, ist rein und gut. — Die Gottheit beurteilt und behandelt den Menschen blos nach seinen Gesinnungen» nach den innersten geheimsten Trieben seiner Natur, sie prüft die Herzen und die Nieren des Menschen. Jer. 11, 20. Sie hat an dem Tode des Sünders keinen Wohlgefallen, die nur straft und züchtigt, um die Verbrecher zu reinigen und zu läutern, wie jman Silber und Gold von den Schlacken reinigt. Mal. 3, 3. Es verlangt der Herr nichts anderes von seinem Volke, als daß es ihn fürchte und in seinen Wegen roandle, ihn liebe und ihm diene von ganzem Herzen. 5. Mos. 11, 12. Jehova ist barmherzig und gnädig, langmütig und von großer Gnade. Er, vor dem Niemand rein, vergibt Missetat, Übertretung und Sünde. 2. Mos. 34, 6. Wenn er schlägt und verwundet, dann heilt er wieder- 5. Mos. 32, 39. Einen Augenblick währt nur sein Zorn, lebenslang aber seine Gnade." Ps. 30, 5. (ebb- S. 55.) „So war der Israelit verpflichtet auch für die aus Irrtum begangenen Vergehen ein Schuldopfer zu bringen, jedes aus Übereilung ausgesprochene Gelübde oder gegebene Wort hatte für ihn eine gewisse bindende Kraft. Wer zufälliger Weise einen Menschen umgebracht, mußte in Exil wandern." (ibid. 8. 54.) „Die höhere geistige Innerlichkeit zeigt sich ganz deutlich im Judentum, indem nicht blos das Gesetz die Übung der äußeren Werke vorschreibt, sondern allenthalben zugleich auf die Reinigung und Heiligung des Herzens und auf die innere Anbetung Gottes im Geist und in der Wahrheit dringt; So finden wir also im Judentum in der äußeren realen Form zugleich einen inneren ideellen Geist." „Daher kann denn auch der Mensch, der -jüdischen Lehre zufolge, wenn er der Anwendung der äußeren Mittel unfähig, durch seine innere Intention alles dasjenige aus der oberen unendlichen Welt erlangenwas er sonst auf dem Wege äußerer Formen empfängt." (Ibid. 8. 69.) „Obgleich der Israelit in lauter äußeren Naturbeziehungen lebte, so ward doch sein Blick, weil er die geschaffene Natur nicht selbst als etwas Göttliches betrachtete. beständig von Außen nach Innen, von Unten nach Oben zu den höheren geistigen Prinzipien gelenkt, welche jenen geistigen irdischen Dingen zu Grunde liegen und sich in denselben abspiegeln. Wenn auch im Judentum allerdings Spuren von äußerlich kosmisch-astralischen Naturbeziehungen Vorkommen, so sind dieselben doch nur zart und leise, und haben durchgängig eine höhere innere geistige Bedeutung. Dieses zartere ideelle Verhältnis wird aber vorzüglich dadurch erhalten, und der - Mensch vor dem Versinken in der äußeren Natur bewahrt, daß die Gottheit ihren Willen nicht sowohl durch die Gestirne und die allgemeinen Zeichen in der äußeren objektiven Natur manifestierte. — So strahlt also überall in der Natur das höhere, ideale Moment hervor, daher bestanden auch die Feste der Juden keineswegs aus reinen Naturfesten, sondern sie waren zugleich mit ethischen Ideen verbunden und solchergestalt die Natur durch ein höheres ideales Moment verklärt." (ibid. 8.86.)

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