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Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen · 1904-03-01 · Heft 3 (1.3.1904) · p. Seite 72

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Journal
Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
Volume
24 (1904)
Issue
Heft 3 (1.3.1904)
Date
1904-03-01
Page
Seite 72 (sequence 26)
Language
German
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— 72 Ober Mische Schuten in Aeulschtand. Die Juden strebten allgemein am Schlüsse des achtzehnten Jahrhunderts nach deutscher Bildung und wollten für ihre Kinder deutsche Schulen. So entstand eine ganze Reihe von Anstalten in Deutschland, die von Juden in's Leben gerufen worden sind; es wären zu nennen die jüdische Freischule in Berlin: die Jakobson- Schule in Seesen, die Franzschule in Dessau; eine Schule in Märkisch-Friedland u. s w. Schon 1794 fanden sich auch einige Frankfurter Gemeindemitglieder zu gleichem Zwecke zusammen. Innere Verhältnisse der Gemeinde und die Kriegszeiten traten jedoch hindernd in den Weg, aber im Jahre 1804 kam endlich die Gründung einer Schule zu Stande, man nannte sie „Philanthropin". Warum schickten denn aber die Juden damals die Kinder nicht in eine staatliche oder städtische Schule? Weites außer dem Gymnasium deren keine gab. Es gab damals in Frankfurt „erblich und wiederverkäuflich eoneessionierte Quartierschulen" Eine derselben wurde 1803 vom Senate angekaust. nnd,es wurde mit dieser erworbenen Schulgerechtigkeit die Frankfurter Musterschule gründet Das lutherische Konsistorium veranlaßte Geldsammlungen, und so wurde JSvt Schule der Oberau fsicht des Konsistoriums unterstellt. In Summa: alle Schulen waren Annexe der Kirchcngemeinden. Und da traten auch Frankfurter Juden zusammen und gründetet eine deutsche Schule, nicht um sich abzusondern, sondern um sich deutsche Bildung anzusignen und in den Bildungsgang des deutschen Volkes einzutreten. Der erste Harptlehrer des Philanthropin war, was unter diesen Umständen ebenso erklärlich, wie ck arakteristisch ist, ein K atholi k Namens Moli tor — geb. 8. Juni 1779 zu Oterursel, gest. am 23. März 1860 zu Frankfurt a. M, — an dessen Stelle 1806 Ta. Heß, trat; Molitor, einer der hervorragendsten Gelehrten der katholischen Christenheit, aber blieb noch längere Zeit Lehrer an der Schule. Wie nach und nach auch chr stliche Schüler in das Philanthropin eintraten, so wurden auch, die Musterschule und das Gymnasium von jüdischen Schülern besucht. Eine Scheidung wurde niemals angestrebt, und es ist denn auch das Lehrerkollegium an der jüdischen Schule ron jeher ein gemischtes gewesen. Die Schule ist auch nicht in der Hinsicht als konfessionell anzusehen, daß etwa die einzelnen Lehrgegenstände vom konfessionellen Gesichtspunkte aus gelehrt werden; das ist grundsätzlich ausgeschlossen. Eine Tatsache wird schließlich den Charakter, den diese Schule stets gehabt hat, am besten klarstellen. Als 1811 eine christlicher Bürger um! Aufnahme seines Sohnes ersuchte, gaben die Vorsteher dieser Schule einstimmig zu Protokoll: „Schon der Name der Schule spricht für die Zulassung von Kindern ohne Unterschied des Glaubensbekenntnisses, und die Vorsteher freuen sich um so mehr, durch diesen Zufall ihck Gefühle der Toleranz öffentlich an den Tag zu legen usw." Dem entsprechend wurde beschlossen, die Schule nicht mehr „jüdisches Philanthropin", sondern einfach „Philänthropin" zu nennen. . Inhalt: Direktor Sigisin a. M- — Redl Creizenach. — über den Talm und Stern über die israelitische Realschule Philanthropin zu Frankfurt e, gehalten im Andachtssaal des Philanthropins von Dr. Michael Aus Dr, Michaels Creizenachs Schulchan Aruch. — Franz Molitor ud. — Über jüdische Schulen in Deutschland.

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