Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Journal
- Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Volume
- 24 (1904)
- Issue
- Heft 3 (1.3.1904)
- Date
- 1904-03-01
- Page
- Seite 69 (sequence 23)
- Language
- German
- Belongs to
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seiner Vorredx, „daß unter den vielen theologischen Werken kein einziges den inneren Pflichten der Israeliten gewidmet ist, da diese doch nicht minder als die äußeren, ihre Quelle in den heiligen Büchern haben." Zu Exod. 23, 25: Ihr sollt dem Herrn eurem Gotte dienen, bemerk Creizenach: dem Gebete wird kein Wert beigeleglt, wenn es nicht vom Herzen kommt. Aus diesem Grunde wird es auch im Talmud erlaubt, in jeder Sprache zu beten, die man versteht und es wäre zu wünschen, daß endlich einmal beim öffentlichen Gottesdienste von dieser Erlaubnis Gebrauch gemacht werde. Vom „Meturgematt" dem Dolmetscher, wurde das vorgelesenc Stück aus dem Pentateuche übersetzt und erklärt, und es wäre sehr angebracht, daß dieser Gebrauch wieder ins Leben gerufen werde, wenn man dadurch auch nicht wie jetzt üblich, die Vorlesung des Pentateuchs in Jahresfrist vollenden könnte. Iranz Molitor über den Talmud.*) Ähnlich wie in allen anderen Naturreligionen erscheint auch hier die Gottheit bei ihrer Manifestation in der Gestalt von Naturkräften und Naturwirkungeu. So heißt es: Auf den Fittigen der Winde schwebt der Herr einher. Ps. 18, 11. „Seine Stimme geht auf den Gewässern, sie schreitet mit Macht, sie erregt die Wüsten, scheucht auf die wilden Tiere, entblättert die Bäume, zerknickt die Zedern und speit Feuerflammen." Ps. 29, 3—9. „Vom. Hauche Gottes entsteht der Reif, von seinem Odem kommt Frost, es strömen die Wasserfluten so er ihre Behälter auftut. Er spricht zum Schnee senke dich zur Erde, durch Regengüsse und Ströme offenbart er seine Macht." Hiob 37, 6—10. Zu seinen Boten macht er die Winde, zu seinen Dienern die Feuerflammen. Ps. 101, 14 usw. (Philosophie der Geschichte, Band HI S. 50.) Allein die Natur gilt hier nicht für dawahre innere Wesen, sondern blos für das Gewand und die äußere Wirkungsweise der Gottheit, welche jedoch keine zufällige Äußerlichkeit, sondern der eigentliche unmittelbare Ausdruck ihres inneren qualitativen Wesens ist, daher sagt die Schrift: .Licht ist sein Gewand " Ps. 101, 2 Jes. 63, 1. „Das Licht wohnt in ihm " Dan. 2, 22. „Licht ist sein strahlender Abglanz. Flammenfluten blitzen aus seinen Händen u. s. w. Hierdurch wird also, wie es in keiner alten Religion geschieht, die äußere quantitative Naturerscheinung der Gottheit auf eine reine innere quantitative Geistigkeit bezogen und als eine freie Persönlichkeit dargestellt, die als Urheber der geschaffenen Natur über *) Siehe Monatsblätter XVIII, S. 209.