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Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen · 1904-03-01 · Heft 3 (1.3.1904) · p. Seite 68

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Journal
Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
Volume
24 (1904)
Issue
Heft 3 (1.3.1904)
Date
1904-03-01
Page
Seite 68 (sequence 22)
Language
German
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I >v.t' •'W'- W'**V‘y- ’ 68 hem wichtigsten Grundsätze, daß die Beschlüsse des Talmud für seine Anhänger, so bald die den Beschlüssen zu Grunde liegenden Beweggründe nicht mehr anwendbar sind, keine Verbindlichkeit haben. Mit Personen, welche zu den sieben Völkern gehören, die zur Zeit Josuas has heilige Land bewohnten, durfte kein Ehebündnis geschlossen werden. Nach Hem natürlichen Sinne ist die Verschwägerung mit Personen aus diesen Völkern Erlaubt, sobald sie dem Götzendienst entsagt haben, welche Meinung auch der gekehrte R. Moses Mekuzi ausspricht, woraus notwendig folgt, daß die Verschwägerung mit Nichtjuden aps anderen Völkern erlaubt ist, wenn diese auch ihrem früheren Glauben nicht entsagen. In dem Verbote (Deut. 14, 29), „Ihr sollt kein Aas essen", bemerkt Creizenach: Aus dem natürlichen Sinn des Schristwortes läßt sich nicht schließen, daß das nicht ritualmäßige Schlachten der Tiere zur "Folge habe, daß das Fleisch r icht gegessen werden darf. Zu Lev. 14, 11: „Jh( sollt nichts ableugnen und nicht belügen einer den anderen", schreibt Creizenach. Hier ist auch besonders ein Gebrauch zu berühren, dem man noch immer t je Juden bei Eidesleistungen unterwirft, obgleich er weder sn der Bibel, noch im Talmud seine Begründung findet und nur durch Unwissenheit in den Ritus der Juden eingedrüngen ist — es ist das Bedecken des Hauptes. Der durch seine Frömmigkeit und durch seine Gelehrsamkeit ausgezeichnete R. Sal. Luria sagt ausdrücklich, er wisse keitten Grund, des „Schema"-lesen mit entblößtem Haupte zu verbieten, besonders aber könne er nicht begreifen, warum Einige verlangen, man solle, auch wenn man nicht betet, den Kopf bedeckt halten. Es wollen, fährt er fort, Einige darin ein Mittel gegen Stolz und Übermut sehen, es wäre aber besser das Haupt zu entblößen und desto mehr über das Innere der Seele zu wachen. Es kann, meint Creizenach, dem Talmud durchaus nicht zur Last gelegt werden, daß er neben manchen Erleichterungen auch viele Erschwerungen eingeführt hat, denn er wollte keine Gesetze auf ewige Zeiten geben und durchaus den späteren Generationen dse Befugnis nicht entziehen, von der er selbst einen starken Gebrauch machte. In! Deut. 6, 6 und 7, „du sollst diese Worte im Herzen haben und sie deinen Kindern einschärfen", bemerkt Creizenach. Nach dem Talmud ist zu übersetzen, „du follst sie deinen Söhnen einschärfen", woraus der Schluß gezogen wird» daß man nicht verpflichtet ist, Töchter in der heiligen Schrift unterrichten zu lassen. Solche Anschauungen vertragen sich nicht mit der sozialen Stellung der Frau. Man ist in unserer Zeit zur Einsicht gekommen, daß die religiöse Erziehung der Tochter von der höchsten Wichtigkeit ist. Es ist sehr zu > bedauern, daß man mehr darauf ausgegangen ist, die Einzelheiten des Zeremonialgeseßes kennen zu lernen, als eine gründliche Kenntnis von den Prinzipien der Religion. Schon längst beklagte sich hierüber R Bechai in seinem Buche über die „Herzenspflichten". „Ich war erstaunt", sagt er in

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