Mannheim
Compact Memory

Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen · 1904-03-01 · Heft 3 (1.3.1904) · p. Seite 65

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
Volume
24 (1904)
Issue
Heft 3 (1.3.1904)
Date
1904-03-01
Page
Seite 65 (sequence 19)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
99% known words query
IRI
…/2969669-2969988-2969992--7211-2977889
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

sie nicht zu fürchten brauchen, wenn nur in uns der Vorsatz unerschütterlich fest steht, so weit eines jeden Wirkungskreis reicht, die Sache der Wahrheit und der Religion zu Anfeindung, chützen, und zwar nicht durch Waffen der Gewalttätigkeit, nicht durch nicht durch Ränke, sondern durch die Stimnie der Vernunft, die ftüh der Prophet oder spät durchdringt, wenn sie würdige Verfechter hat, und nicht auch diese, wie Jesaias klagt, benebelt hin und her taumeln und irre reden. Auch an solchen hat es zu keiner Zeit gefehlt, welche die Vernunft mit dem Glauben und den Glauben mit der Vernunft bekämpfen, sich aus beiden wählen, was ihnen bequem ist, im Herzen aber es mit nichts gut meinen, als mit ihretn eigenen Ich, und wenn dafür gesorgt ist, gilt es ihnen gleich viel, ob ihre Glaubensbrüder vorwärts oder rückwärts schreiten, ob sie ein goldenes Kalb ^sder den himmlischen Allvater anbeten. Das Gedeihen unserer Religion aber ist leider den meisten unter uns gleichgültig, in der Tat sind unsere Gebethäuser verödet, unsere Andacht verstummt, menschliches Wissen verdrängt. Es fehlt me Begeisterung für das Judentum und Verbesserungen, die ohne Mühe, ohne Opfer, ohne Beunruhigung irgend eines Gewissens entstehen konnten, müssen unterbleiben. Das Heiligtum der Religion ist ohne Wächter und jeder kann die Hand darnach ausstrecken, ohne Widerspruch zu befürchten. Was bleibt uns aber zu tun, werdet Ihr ftagen, wir wünschen ja das Bessere und stehen ihm nicht im Wege? Eine solche Antwort gab einst Esther, wie das letztere Fest berichtet, ihrem Oheim, als er sie aufforderte etwas für die Rettung der Israeliten zu tun, indem er ihr sagen ließ: Wenn du zu dieser Zeit schweigst, so wird den Juden doch geholfen werden, du aber wirst ausgeschlossen sein. Wir aber haben uns keiner Gefahr auszusetzen, kein großes Opfer zu bringen. Das Einzige, was wir zu tun haben, ist unsere Anhänglichkeit an dem Glauben unserer Väter und unser Streben nach seiner Verherrlichung an den Tag zu legen. Ein einziger bedeutendes Schritt, den wir in der reine» Verehrung Gottes vorwärts tun, wird aller Welt zeigen, daß wir jedes Vorhaben, das unsere Religion herabsetzt, verurteilen und mit Entrüstung von uns weisen, wodurch wir thun, was wir der Ehre Gottes schuldig sind. Unsere Gemeinde war seit undenklichen Zeiten eine Mutter in Israel und alle anderen wandelten nach ihrem Lichte. Möge sie doch nie durch unsere Schuld diesen schönen Vorzug verlieren. Gib, o gütiger Gott, unserem Willen die erforderliche Kraft, Selbstsucht zu fliehen, und niederen Eigennutz die alle Tätigkeit lähmen, segne unsere Bemühungen zur Aufrechterhaltung des wahren Geistes deiner heiligen Religion, pflanze besonders Gottesfurcht, Sittlichkeit und echten bürgerlichen Sinn in die Herzen dieser Kinder, ° in die wir alle unsere Hoffnungen vereinigen, so iverden wir gewiß bald wieder für Israel werden, was wir ehemals waren, und gleich einem zweiten Jerusalem wird das Wort des Herrn aus unserer Mitte ausgehen zur Verherrlichung deines hei igen Namens in Ewigkeit.

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.