Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Journal
- Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Volume
- 24 (1904)
- Issue
- Heft 3 (1.3.1904)
- Date
- 1904-03-01
- Page
- Seite 64 (sequence 18)
- Language
- German
- Belongs to
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T blendet Euch nicht durch falsch berechnete Erwartungen und schmeichelt Euch nicht mit einer Aussicht, die sic; nicht verwirklichen kann. Ihr glaubet die Sache unserer Religion zn fördern und Es läßt sich in unseren Ziagen niemand mehr das Recht nehmen, alles zu prüfen, i. p i: i-;' was ihm als. Pflicht oder der Jugend zu tun hat. der leichteste Stoß sein herrschenden Hang, Alles alters. Unsere Religion MMWWWWWWWWMWMW — 64 — HP arbeitet ihr mehr entgegen, als ihre erklärtesten Feinde. als Wahrheit eingeschärft wird, und jeder, der cs mit muß darauf vorbereitet sein. Lehrt er nur ein einziges Wort, das seiner Überzeugung nach, keine vorurteilsfreie Prüfung aushält, so kann er mit einer Wahrscheinlichkeit, die an Gewißheit grenzt, voraussehen, daß ganzes Gebäude Umstürzen wird. Rennet übrigens den zu prüfen nicht eine Sucht, eine Vermessenheit des Zeithat durch denselben noch nicht einen einzigen Anhänger eingebüßt, wenigstens durch unbefangene, parteilose Prüfung nicht; wie sollte sie auch eine strenge Untersuchung scheuen, sie, die in nichts den Widerspruch leistet, _Jbte dem Menschen.keine einzige Gesinnung zuinntet, die ihm nicht natürlich ist, die der-Vernunft zuvoreill , statt hinter ihr zurückzubleiben und mit anspruchsloser Einfalt die erhabensten und trostreichsten Wahrheiten dem Geistesarmen ebenso verständlich macht, als dam Weltweiseu. Wenn es sich also in unseren Tagen , zeigen sollte, daß gerade Männer von Geist und Talenten, von biederem Sinn und von Liebe zur Wahrheit, die Vortresflichkeit unserer Religion verkennen, wer kann da anders die Schuld trage» als die, ivelche von ihr falsche Begriffe beizubringen bemüht sind, und die Meinung verbreiten wollen, als haben die äußeren Formen, die bei uns eingeführt sin), einen selbständigen Wert, wenn sie nicht der Ausdruck innerer Gesinnungen sind und als seien sie der Hauptzweck der Offenbarung. Wie ganz anders haben die Propheten zu ihren Zeitgenossen geredet. Man lese ihre begeisterten Reden, da atmet alles nur ein einziges Streben: Die Zurückführung der Religion zu ihrer ursprünglichen Reinheit. Vergeblich verbarg sich vor ihnen Tücke und Bosheit hinter die heuchlerische Larve einer leicht zu erkünstelnde» Heiligkeit, sie wurde von ihnen durchschaut und an's Tageslicht gezogen. Sie waren Lehrer des Glaubens und der religiösen Tugend tut eigentlichsten Sinne des Wortes, und wurden sie auch von ihren Zeitgenossen nicht gehört und gewürdigt, so ist dies nur e n Beweis, daß es auch damals falsche Propheten gab,; die ihnen im Wege standen und das Volk in seinen Jrrtümern bestärkten. Falsche "Propheten haben zu jede, Zeit die Verbreitung der Wahrheit hintertrieben und um das Sonnenlicht der Religion düstere Nebel gebildet. Glücklicher Weise sind sie leicht zu erkennen; den,, jeder, der nicht im Namen Gottes spricht, ist dafür zu halten, und der spricht nicht im Namen Gottes, welcher Vernunft durch Aberglauben, tröstende Wahrheiten durch hemmende Dogmen, wissenschaftliche Prüfung durch blindes Nachbeten, hohe Frömmigkeit durch äußeren Schein mit einem Worte. Judentum durch Heidentum ersetzen will. Glücklicher Weise auch sind wir so weit, daß, wenn auch solche falsche Propheten unter uns auftrete» sollten, wir