Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Journal
- Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Volume
- 24 (1904)
- Issue
- Heft 3 (1.3.1904)
- Date
- 1904-03-01
- Page
- Seite 59 (sequence 13)
- Language
- German
- Belongs to
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faßte, und die Andachtstunde der Schule wurde der sabbathliche Sammelpunkt aller Gebildeten, die dem religiösen Fortschritt huldigten, bis endlich die Zeit gekommen war, um den hier bereits vollzogenen Fortschritt zum Eigentum de!r Gesamtgemeinde zu mache». Die Berufung eines der Reformpartei angehörendeü Rabbiners und Predigers und eine dem entsprechende Reform des Gemeindegottesdienstes sind die unzweifelhaften Resultate der von der Schule und ihrem Leiter ausgegangenen Bestrebungen! und es darf also auch der religiöse Fortschritt, den diese ansehnliche Gemeinde in den letzten fünf Dezennien so sichtbar gemacht und der, wie der geistige, die Nacheiferung zahlreicher Nachbargemeinden herbeigeführt hat, als eine unzweifelhafte Folge der Wirksainkeit bezeichnet werden, mit welcher Heß nach allen Richtungen hin für Bildung und Gesittung, für Geiftesfreiheit und Aufklärung unter seinen Glaubensgenossen gewirkt und gekämpft hat. Man kann Heß mit einem Worte, wenn auch nicht als den alleinigen, so doch als den vornehmsten und richtungangebenden Schöpfer der Kukturzuställde bezeichnen, vermöge deren die jüdische Genieinde zu Frankfurt eine so geachtete Stellung unter ihren Glaubensbrüdern, wie unter ihren andersglaubenden Mitbürgern sich errungen har. Denn es bedarf wohl kaum der Erwähnung, daß seine mutige und energische Mitwirkung auch in dem heißen und langwierigen Kampfe nicht gefehlt hat, in dem es galt, den jüdischen Glaubensgenossen die bürgerliche und politische Gleichberechtigung und die endliche Beseitigung der Ausnahmsstellnng zu erkämpfen, die sich als! ein trauriger Überrest mittelalterlicher Zustände, auch noch in unsere Gegenwart hineinschlepptgehakten Wede, im Andachtssaak des Whikanthropins zu Irankfurt a. W.,' von Dr. Michael Creizenach Wenn man einerseits mit Betrübnis wahrnimmt, daß immer noch so viele Menschen ihre wahre Bestimmung verkennen, den Absichten ihres Schöpfers entgegen arbeiten und ihre Glückseligkeit da suchen, wo sie nicht zu finden ist, so muß man sich ändererseits gestehen, daß die Rätselhaftigkeit ihres Wesens eine natürliche Veranlassung dazu gibt. Der nsch ist eine so seltsame Bereinigung von Tierischem und Göttlichem, seine Kräfte und seine Neigungen ziehen ihn so mächtig nach entgegengesetzten Richtungen hin, sein Leib ist in so stetem Kampfe mit dem geistigen Wesen, das ihn beseelt, daß es uns garnicht auffallen -kann, wenn viele an ihrer eigenen Natur irre werden und sich ganz der Herrschaft der sinnlichen Eindrücke hingeben. Mehr denn zwei Jahrtausende lagen die Nebel' der Sinnlichkeit so dicht und undurchdringlich auf dein Menschengeschlecht, daß mk