Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Journal
- Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Volume
- 24 (1904)
- Issue
- Heft 3 (1.3.1904)
- Date
- 1904-03-01
- Page
- Seite 57 (sequence 11)
- Language
- German
- Belongs to
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- Seesen 1× ep/1048106
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57 ganzen Geist ihrer Zöglinge, und der Gemeinde zu erfassen und zu reformieren bestimmt war. auch mehr als jede andere auf den Charakter, wie auf den sittlichen Standpunkt dieser Gemeinde und ihrer Angehörigen gewirkt; und ich glaube nicht zu irren, wenn,ich den strebsamen Bildungsbetrieb, die solide Arbeitstüchtigkeit und ArbeitSwilligkeHt und die unabhängige Geistesfreiheit, welche diese Gemeinde charakterisieren zum Teil wenigstens dem Geist zuschreibe, der von dieser Schule ausgegangen, und der dieser wieder vornehmlich von Heß eingepflanzt worden ist. Eine ganz besondere Bedeutung aber hat diese Bildungsstätte der Franfurter Gemeinde durch ihre Einwirkung lauf die Gestaltung des religiösen Lebens innerhalb derselben, dh. durch den Geist des freisinnigen, religiös?!?» Fortschritts gewonnen, den Heß vermöge seiner ganzen Richtung auf's kräftigste in derselben geweckt und gepflegt hat. Denn für die Neugestaltung des religiösen Lebens im Judentum sind in dem ersten Viertel dieses Jahrhunderts die Schulen die vornehmsten Pflanzstätten gewesen. Das Frankfurter Philanthrvßin sollte den ihm vorangegangeuen Schicken von Seesen, Wolfenbüttel und Cassel auch in dieser Beziehung nicht nachstehen. ES war schon ein ivesentlicher Fortschritt, daß das bisher Alles beherrschende Talmudstudium. als für das Lebensalter der Schuljugend Ungeeignet, gänzlich aus'dem Lehrplan entfernt, dagegen eine gründliche Kenntnis der biblischen Schriften und ihres religiös.historischen Inhalts, mit methodischer Erlernung der hebräischen Grammatik einaeführt wurde. Insbesondere aber sollte durch speziellen Religionsunterricht, von dem bisher die jüdische Judenrrziehnng nichts wußte, d. h durch eingehende und, geordnete Unterweisung in den Religions- und Sittenlehren, sowie apch in der Geschichte und in dem Zermonialgesetz des Judentums, wahre Religiosität und dauernde Liebe zur väterlichen Religion im Geist und Gemüt der Heranwachsenden Jugend gepflegt werden. Und diese Belehrung wurde nun auch der weiblichen Jugend zu Teil, die bisher aller religiösen Unterweisung entbehrt hatte. Daß bei diesem Unterricht überall die Anschauungen eines freieren von der finsteren Starrgläubigkeit des Mittelalters losgelösten Geistes geltend gemocht wurden, so weit der Sinn der Jugend dafür empfänglich war, läßt sich bei einer Schule wohl denken, die unter der Leitung eines so freidenkenden Mannes wie Heß gestellt war. Aber di«. Schule beioährte in ihrer folgenreichen Wirksamkeit ans diesem Gebiet auch alsbald, daß dieselbe weit davon entfernt war, wie es die Gegner behaupteten, nur e ne negative zu sein. Denn sie war vielmehr auf's eifrigste bemüht, ihren Zöglingen neue und feste Anhalte an die väterliche Religion zu geben, und die verkommenen und wirkungslos gewordenen äußere» Formen durch wirksamere und zeitgemäßer, zu ersetzen. — So wurde auch im Philanthropin. wie es zuvor schon iy den ob«n angeführten Schulen geschehen war, die sogenannte Konfirmation» als Abschluß det in den Schulen erteilten Religionsunterrichts, sowohl für Knaben wie für Mädchen eingeführt. Durch diese einfache aber ernste und erbauliche Feier wurde das Gefühl der nun eintretenden Selbstoerantwortlichkeit in den Gemütern /