Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Journal
- Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Volume
- 24 (1904)
- Issue
- Heft 2 (1.2.1904)
- Date
- 1904-02-01
- Page
- Seite 47 (sequence 25)
- Language
- German
- Belongs to
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jüngern Schule sind Aule« Adler mit seinen aus dem Leben der Annen gegriffenen realistischen Bildern und Doms Picard mit äußerst zart gemalten Porkräts zu nennen. Bescndere Aufmerksamkeit erregen die Bilder des holländischen Meisters Josef Israel, von denen eines, „Jüdische Hochzeit" den Augenblick darstellt, da der Bräutigam unter dem Trauhimmel stehend, in den Gebetmantel gehüllt seiner jungen Braut den Ehering an den Finger steckt. Ein anderes Gemälde Josef Jsrael's „Arbeiter bei ihrer Arbeit" gilt für eines der größten Meisterwerke des genialen jüdischen Künstlers. — Ein antisemitisches Sensationsstück von Maurice Donnay „le Retour d|e Jerusalem“ wurde im Pariser Theater du Gymnase ausgeführt. Das Stück, dessen erster, sehr dramatischer Akt noch starke literarische Qualitäten besitzt, wird vom zweiten Akt ab ein niedriges, brutales Machwerk von geradezu empörender Verlogenheit und Gesinnungsroheit. Unter der Maske sogenannter Unparteilichkeit wird mit groben Schlagivorten die schlimmste Rassenhetze getrieben, und das einfcch zu dem Zweck, um die Menge ins Theater zu locken. Es war vorherzusehen, daß es bei den Aufführungen des antisemitischen Spektakelstückes zu Skandalszenen kommen würde. Einige Zuschauer pfiffen nach der Rede, die der Held des Stüikes hält; andere Zuschauer geriete» mit den Pfeifern in Wortwechsel. Ein großer Lärm entstand; die Polizei mußte erscheinen und die Streitenden entfernen. Auch begann der Skandal immer von neuem, bis der Schauspieler Dumeny an die Rampe trat und erklärte, die Vorstellung würde abgebrochen, falls sich das Publikum nicht beruhigte. Draußen aus der Straße kam es dann noch zu Schlägereien zwischen beiden Parteien. Der Leiter des Gymüase'Theaters, Franck, der Verfasser des Stückes Donnay, die Darstellerin der Jüdin, Frau Lebargh, gehören alle drei der jüdischen Rasse an. Das ist der sittliche Hintergrund dieses Zwischenfalls bi:§ Pariser Lebens. — Man berichtet: Die engliche Regierung hat eine offizielle Mitteilung an die maßgebenden Kreise erlassen, daß sie infolge der zionistischen Umtriebe und der ablehnenden Haltung der russischen Delegierten auf dem VI. Zionisteukongresse gegen das Ostafrikanische Projekt sich nunmehr veranlaßt sehe, ihr den Zionisten gemachtes Anerbieten zurückzuziehen. — Als der gegenwärtige Papst Pius X. neun Jahre hindurch Kaplan in Tvmbolo war, gab er durch mehrere Sommer Unterrichtsstunde» in einer jüdischen Familie, die in einer Billa nahe dem Dorfe Landaufenthalt nahm. 1867 als Pfarrer nach Salzauo versetzt» stand er dort mit dem jüdische» Fabrikanten Romanin Jacnr in freundhielt von ihm schaftlichen Beziehungen, verkehrte als Gast in dessen Familienkreis, erbat und erhäufig Hilfe für seine Arinen, ja der Fabrikant liebte es, Unterstützungen, die e!c erteilen wollte, nicht selbst, sondern durch den befreundeten Pfarrer zu spenden. Als Sarto Domherr in Treviso wurde, hörte dieser nahe Verkehr auf, aber als Bischof von Mantua, welche Stadt eine starke jüdische Gemeinde einschließt, fand und erneuerte Giuseppe Sarto den dorthin nbersiedelte» Romain Jacur wieder hie alten Beziehungen. Zum Patriarchen von Venedig befördert,