Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Journal
- Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Volume
- 24 (1904)
- Issue
- Heft 2 (1.2.1904)
- Date
- 1904-02-01
- Page
- Seite 46 (sequence 24)
- Language
- German
- Belongs to
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Kodexen und Mannskripten aus dem XII. und XV. Jahrhundert befindliche Marge ' nalbilder, schwarze u ib kolorierte Illustrationen vor. Ein derartiges Manuskript befindet sich auch im Nationalmuseuni, es ist die Chronik Rabbi Mordechai ben Hillel's aus dem X V. Jahrhundert, die auch ungarische Beziehungen enthält. Namentlich gibt es niete Hagada's (Erzählungen über den Auszug aus Egypten) mit Illustrationen spanischer, italienischer und deutscher Meister. — Der zweite Vortragende, Ignaz Peisner, sprach über den „Rassencharakter der Juden", ein Thema, mit dem sich in neuester Zeit Gelehrte und Nichtgelehrte viel befaßten- Der Warschauer Arthropoldge Judt hat ermittelt, daß die Juden in der Zerstreuung keinerlei physische Änderung erlitten haben und trotzdem so wesentliche Abweichungen vom semitischen Charakter zeigen, daß inan sie kaum zu den Semiten zählen könne. Ein anderer Forscher, der bekannte Ethnograph Stratz, ist ans ganz anderem Wege fast zu demselben Resultate gelangt. Gr hat gefunden, 'daß jener Typus, den man gemeiniglich de» semitischen nennt, bei asten Völkern, selbst bei den Japanesen, Kaffern, Chinesen rc. vorkommt; er ist das Produkt der Aufhäufung gewisser individueller Eigenschaften, durch starke, jahrbundertelange Inzucht (Heiraten unter Verwandten und sonst physisch sehr nahe Stehenden). Stratz führt in seiner Studie (Was sind die Juden?) Vertreter aller! möglichen Nationen vor, die jüdischer aussehen als Juden. In üngster Zeit endlich haben sich Neuropathologen der Frage bemächtigt und gesunden, daß die Juden, obwohl im allgemeinen schwächere Konstitution, sich dennoch durch geringere Sterblichkeit und größeren Widerstand gegen Erkrankungen auszeichne t, dagegen inklinieren sie in höherem Grade zu den Erkrankungen des Gehirns und Nervensystems. Die letztere Eigenschaft soll typisch für die Jude» sein. Demgegenüber weist Vortragender darauf hin, daß die Inklination zu Geisteskrankheiten dis natürliche Folcch dessen ist, daß die Juden mehr zu de» intellektuellen Berufen Hinneigen.. Als Beweis dessen führt P. an, daß von den Hörern der Budapester Universität ca. 3f) Prozent Juden sind, während diese blos 42 Prozent der Gesamtbevölkernng Ungarns ausmachen. Vortragender kommt zu dem Resultate, daß die Juden keinerlei aparten Rassencharakter aufweisen, am wenigsten einen ausgesprochen semitischen.) Was speziell die ungarischen Juden betrifft, habe» ihnen Herz linb Verstand längst gesagt, daß sie dem Glaubensbekenntnisse nach Juden, ethnographisch aber Ungarn sind, so gute, wie welch anderer Ungar immer. — Jüngst starb der Nestor der Zipfer Diözese (Ungarn) Titular-Bischof Franz Liptay. Großpropst, päpstlicher Prälat, Kircheninspektor, Gründer des katholischen Weisenhauses etc. im 90. Lebersjahre. Der verdienstvolle Prälat war der Sohn des Kösmürker jüdischen Kaufmannes Abraham Levy, der in der Stadt ein bedeutendes Geschäft hatte und sich :in enormes Vermögen erwarb. — Der Munizipalrat der Stadt Uimes hat beschlo sen der bisherigen St Bernard-Straße den Namen Bernard Lazar-Straße zu geben. — Auf der Winter-Ausstellung des Pariser Salon sind auch mehrere jüdische Künstler mit ausgezeichneten Werken vertreten. Von der