Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Journal
- Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Volume
- 24 (1904)
- Issue
- Heft 2 (1.2.1904)
- Date
- 1904-02-01
- Page
- Seite 45 (sequence 23)
- Language
- German
- Belongs to
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teilweise aus Frankfurt a. M. nach Hamburg gekommen. Die Frau Baronin Wilhelm von Htoihschild hat nämlich aus dem Nachlasse ihres verstorbenen Gatten dem Hamburger Klaus-Institut der deutsch-israelitischen Gemeinde 120 Bände äußerst seltener hebräischer Schriften gespendet. — Die Lehranstalt für die Wissenschaft des' Judentums zu! Kerlin hat von Herrn Rittergutsbesitzer Aathan Drrnstriu, dessen Wohltätigkeitsftnn für alle Institutionen des Judentums rühmlichst bekannt ist, eine Schenkung vosi 100000 Mark erhalten. Es ist das ein sehr nachahmenswertes Beispiel. — Die Zahl der sich zur mosaische« Keligion Bekennenden hat im Deutschen Reiche seit 1671 nach den Veröffeytlichungeu des Kaiserlichen Statistischen Amtes relativ flicht unwesentlich abgenomme»; sie ist von 1,25 auf 1 Prozent der Bevölkerung zurückgegangen. Auswanderung, Übertritte, namentlich auch zu den Dividenden durften wohl mehr als Abnahme der Geburten die Ursache sein. Trotz der Rückganges aber hat sich die Zahl der Juden in Berlin seit 1871 nahezu ver. dreifacht, im übrigen Brandenburg, wahrscheinlich hauptsächlich in den Berliner Vororten, verdoppelt und im Königreich Sachsen, >vo freilich bis 1871 die Zahl der Juden eine sehr geringe war, nahezu vervierfacht. Dagegen ist in diesem Zeitraum in der Provinz Posen, wo die Juden von antisemitischer und polnischer Seite sehr zu leiden haben und wirtschaftlich solvohl wie sozial gegen zwei Fronten zu kämpfen haben, ihre Zahl von nahezu 62000 auf etwas über 35000, also fast um 27 000 zmückgegangen. — Der deutsche Botschafter Gras Wedel in Wien übersandte Herrn Eduard Lehmann-Kreibih (Böhmen), der 23 preußische Soldatengräber aus dem siebenjährigen Kriege gefunden und gepflegt hat, im Aufträge Kaiser Wilhelms die Insignien des Preußischen Kronenordens mit eigenhändigem Handschreiben. Auch Reichskanzler Graf v. Bülow richtete an Herrn Lehmann ein Handschreiben. [— In dem Hannaken-Dorfe Hirtin leben seit länger als zwei Jahre judaisierende Bauern, die an den großen jüdischen Feiertagen nach dem Tempel des nahegelegeneu Kojetei» kommen, um dort ihre Andacht aus hebräisch-tschechischen Machsorim» zu verrichten. Ob diese Gruppe ein Ableger ihrer »ordmährischen Gesinnungsbrüder ist, ist bis nun nicht klar. — In stroßnih hat eine Anzahl meist junger Leute, Buchbinder, Schneider u. s. w., der katholischen Kirche den Rücken gewendet und bilden dieselben» ofstziell konfessionslos, eine freireligiöse Gemeinde. Sie verehren in JesuS den Erlöser und suchen seiner Art nachzuleben, indem sie sich des Trinkens» Fleischgenusses, Rauchens und Spielens enthalten. In ihrem eigenen Betrauni pflegen sie einen Gottesdienst, der — wie sie sagen — dem jüdischen gleicht. — Die ungarisch-israelitische literarische Gesellschaft hielt im Prunksaal der Pefter israelitischen Kultusgemeinde unter Vorsitz des Direktors Dr. Josef KL«0»tW eine Vorlesungssitzung, welcher ein zahlreiches Publikum beiwohnte. Zuvörderst hielt dcr Györer Oberrabbiner Dr. Moriz Schwarz einen instruktiven Vortrag unter dem Ditel: „Alte illustrierte Manuskripte". Es ist dies ein interessanter Abschnitt der irdischen Literatur- und Kunstgeschichte. Vortragender legt auf