Mannheim
Compact Memory

Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen · 1904-02-01 · Heft 2 (1.2.1904) · p. Seite 39

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
Volume
24 (1904)
Issue
Heft 2 (1.2.1904)
Date
1904-02-01
Page
Seite 39 (sequence 17)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
96% known words query
IRI
…/2969669-2969988-2969991--7181-2977858
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

man wartete und wartete, aber die Brautleute kamen noch immer nicht. Selbst der sanfte und milde Mannheimer fing an, ein wenig ungeduldig zu werden, aber es nützte nichts, von einer Braut und einem Bräutigam war keine Spur, und schon' hatte es den Anschein, als sollte man unverrichteter Dinge den Tempel verlassen, J als endlich um zwei Uhr die Brautleute mit einigen Hochzeitsgästen ankamen. Sie begaben sich in den Zeremoniensaal. ' } „Herr von Mannheimerleben", sagte der Bräutigam, „ich kann, soll ich leben, nichts dafür, daß Sie haben gemußt warten so lang. Schuld an Allem ist nur das Geld." „Wie meinen Sie das?" fragte Mannheimer. „Wie soll ich es meinen", entgegnete der Bräutigam, „ich mein' es offen und ehrlich, genau so, wie es ist. Fünfhundert Gulden hat man mir zugesagt, alsdenn will ich meine Fünfhundert Huld haben." „Man.hat Ihnen also das Geld nicht gegeben?" fragte Mannheimer. „Da steht er ja," erwiderte der Bräutigam. „Wer?" fragte Mannheimer. „Der Vater von der Braut", setzte der Bräutigam fort, „da steht er, fragen Sie ihn, ob er mir einen Kreuzer gegeben hat" „Sie haben dem Bräutigam fünfhundert Gulden zugesagt?" also wendete sich Mannheimer an den Vater der Braut. „Herr von Mannheimerleben", sagte der Brautvater, „warum hätt ich ihm nicht gesollt Zusagen fünfhundert Gulden?" „Nun, Und warum geben Sie ihm das Geld nicht?" fragte Mannheimer. „Herr hon Mannheimerleben," sagte der Brautvater, „erst müssen Sie fragen, ob ich'si Hab'." „Nu, hhben Sie's?" „Nu, häb' ich's?" „Sie haben es also nicht?" „Bon wiannen soll ich es haben?" „Und wie konnten, Sie fünfhundert Gulden Zusagen, wenn jäte das Geld nicht haben?" „Ich bin'Ihne, Herr von Mannheimerleben", sagte der Brautvater, „was tut ein Vater nicht! Alles, um ein Kind auszugeben! Die größten Opfer bringt man- Man strengt sich an über'n Jechoiles (über seine Kräfte)." „Gar so! sehr angestrengt haben Sie sich nicht", sagte Mannheimer. „Ich Hab' mich wirklich sehr angestrengt", entgegnete der Brautvater, „her-; umgelaufen bin ich in ganz Wien zu allen Bekannten und Hab' mir gewollt auS- ' leihen von einem Jeden so viel wie möglich." ’ „Die Bekannten haben Ihnen aber nichts geliehen", sagte Mannheimer | gutmütig lächelnd. „Aß oßer (fürwahr nicht) wenn ein' Kreuzer", beteuerte der Brautvater.'

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.