Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Journal
- Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Volume
- 24 (1904)
- Issue
- Heft 2 (1.2.1904)
- Date
- 1904-02-01
- Page
- Seite 38 (sequence 16)
- Language
- German
- Belongs to
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— 38 — Um nun zum Judentum zurückzukehren, so müßte, wenn man einer Zahl überhaupt irgend eine V> Urbedeutung beilegen wollte, die Zahl 13 nicht als eine ««glückbringende, sondern vielmehr als eine heilverkündende gelten- Ich erinnere /«ur an die dreizehn Glaubensartikel des Maimonides, an die dreizehn das Erbarmen Pottes verkündenden Worte des „Wehn rachum" und an die dreizehn Jahre, mit deren Erreichung der jüd sche Knabe „Bar-mizwoh" (religionsmündig) wird. Nicht blos Dienstnädchen vom Lande halten an dem Grundsatz fest: „Montag wird nicht wochenvoll" und wollen a» diesem Tage nicht einen Dienst antreten. sondern auch seingebildete Damen halten diesen Tag insofern für einen Unglückstag, daß sie lieber auf eine R:ise ganz verzichten würden, als sie am Montag anzutreten. Und worauf gründet sich dieses Borurteil gegen den unglücklichen Montag? Was ich darüber sagen kann, i't Folgendes: In der Schöpfungsgeschichte (1. Mose 1) steht bei jedem Schöpfuncstage: „Gott sah, daß es gut war;" nur bei Montag fehlt dieser Zusatz. Wer nun aus diesem Umstande den Schluß ziehen will, daß Gott selbst den, Montag das Prädikat „gut" versagt habe, und derselbe also für ewige Zeiten als ein Unglnckstag angesehen werden müsse, mit dem wollen wir über starken Glauben nicht streiten; hört sich die Erklärung doch immerhin als ein Grund an; daß aber avlh der Freitag bei Manchen als ein Unglückstag gelten soll, ist umsoweniger zu begreifen, als in der Schöpfungsgeschichte bei diesem Tage nicht nur wie bei Dienstag steht: „Ki tauw," daß es gut war, sondern sogar mit dem Zusatze: „Tauw maud" (sehr gut). Die beiden genannten Tage führen daher bei einigen religiösen Gebräuchen die Bezeichnung „Ki tauw." Noch viele Beispiele modernen Aberglaubens ließen sich Nachweisen; die angeführten werden aber g mögen, darzutun, daß der Aberglaube eines denkenden Menschen, insbesondere aoer eines gläubigen Israeliten, durchaus unwürdig ist. Man sage auch nicht, solcher Aberglaube sei doch mindestens unschuldig. Das ist er durchaus nicht, abgesehen von so manchen geselligen und familiären Störungen, die oft durch ihn herbeigesührt werden. Nichts ist unschuldig, was die Leuchte, die der Allgütige uns in der Vernunft aufgestellt, zu verdunkeln im Stande ist; nichts ist unschuldig, was mit einer reinen Gotteserkenntnis, mit einem frommen Gottesglauben sich in Widersprmh setzt. Die Mitgift. Humoreske von Eduard Kulke. -4 Die Trauung warl für Sonntag ein Uhr festgesetzt. Im Tempel in der Seitenstettengasse in Wien waren die üblichen Vorbereitungen getroffen, und Mannheimer. der Prediger, war bereits an Ort und Stelle, die Trauung vorzunehmen; aber das Brautpaar war nicht da. Es wurde viertel nach eins, Halbzwei, dreiviertel,