Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Journal
- Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Volume
- 24 (1904)
- Issue
- Heft 2 (1.2.1904)
- Date
- 1904-02-01
- Page
- Seite 37 (sequence 15)
- Language
- German
- Belongs to
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— 37 — Allein wie der Götzendienst nicht so völlig verdrängt wurde, daß nicht die bis in die Patriarchenzeit zurückreichenden Hausgötter (Teraphim) selbst unter treuen Bekennern des Gottes Israels ihre Verehrer gehabt hätten (1. Mose 31,19, Richter 17, 5, 18, 4, 2. Kön. 23, 24), so fanden auch Wahrsager und Zauberer fortwährend viele Gläubige und erlangten -namentlich unter der Regierung abgöttischer Fürsten großen Einfluß (2. Kön 21,6, Jes, 8,19, Jer. 29, 8, Micha 3,11). In allen diesen Stellen wird von den Propheten, ebenso wie im Pentateuch/ die schärfste Verurteilung des Aberglaubens, der, mit Recht, dem Götzendienste gleich geachtet wurde, ausgesprochen." Die Amulette (Zaubermittel, durch die man sich gegen schädliche Einflüsse zu schützen suchte) lassen sich bis in die ältesten Zeiten zurück verfolgen. Die Ohrringe, welche Jakob nach 1. Mose 35. 4 sich nebst den in ihrem Besitze befindlichen Götzen von seinen Familienangehörigen, aushändigen ließ, um sie zu vergraben, sind sicher hierher zu rechnen. Aus allem Gesagten dürfte sich zur Genüge ergeben: 1. daß der Aberglaube in allen seinen Formen im Judentum keinen Halt finden kann; 2. daß die zu trauriger Verbreitung gelangte Lehre von dem Einflüsse böser Geister (Dämonen, Schedim rc.) erst in späterer Zeit durch die heidnischen Nachbarvölker auch bei den Juden eingeführt worden ist. Einige Formen des Aberglaubens, besonders aus dem Gediete der Zahlendeutung und der Tagewählerei, haben einen interkonfessionellen Charakter ange- »onuncn und werden noch heute mit einer wahrhaft erstaunlichen Ängstlichkeit fest» gehalten. Hier einige Beispiele: das Geheiinnis, welches die Unglück verheißende Zahl „dreizehst" umgibt, wird wohl ewig ungelöst bleiben. Denn von allen Versuchen der Erklärung, und ihrer ist eine große Zahl, erscheint nicht ein einziger stichhaltig. Ob an die zwölf Apostel mit ihrem Meister an der Spitze, der dann von ihnen genommest wurde und sterben mußte, zu denken ist, oder gar an die musikalische Lösung, daß ii» der chromatischen Tonleiter der letzte, dreizehnte Ton ausfalle», sterben muß, weil er wieder zum ersten ivird, wenn man die Reihe fortführt, oder was dergleichen mehr oder minder geistreiche Kombinationen und Erklärungen find, wer denkt darüber nach, wenn er sich den« unseligen Wahn überläßt? Wer denken ' will, der lege sich vielmehr die Fragen vor: „Ist es eines vernunftbegabten Wesens würdig, solche Ungeheuerlichkeiten zu glauben?" J Die Männer aber, welche zu behaupten pflegen, daß die Wahrung und V Pflege des Aberglaubens sich nur oder doch hauptsächlich bei Frauen finde, sollte - man fragen, wie viele unter ihnen sind, die sich ohne Widerspruch in einem Gast» haüse die Nummer 13 anweisen ließen; man sollte darauf Hinweisen, daß infolge dieses lächerlichen, ja tief betrübenden Wahns eine große Zahl von Hotelbesitzern diese Nummer 13 in ihren Zimmerreihen gar nicht führen oder dieselbe nur auf , ausdrückliche Zustimmung des Gastes demselben zuweisen.