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Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen · 1904-02-01 · Heft 2 (1.2.1904) · p. Seite 32

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Journal
Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
Volume
24 (1904)
Issue
Heft 2 (1.2.1904)
Date
1904-02-01
Page
Seite 32 (sequence 10)
Language
German
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MWNW4.M, PB'.’1. "■ Uz«MtW — 132 Kin Wabbmer über das Jeremoniakgeseh. Herr Dr. A. Tänzer, Rabbiner für Tirol und Vorarlberg in Hohenems 1-schreibt in seiner höchst erapfehlenswerten Schrift „Judentum und Entwicklungslehre" ^Berlin N. W. 7., S. Calvary u. Co.), die wir hiermit unseren Lesern aufs, -wärmste empfehlen und auf die wir noch zurückkommen werden, über das Zeremonialgesetz Folgendes: Ich frage jeden aufrichtigen Glaubensgenossen, ob ihm der täglich und ^stündlich sich erweiternde Zwiespalt zwischen Lehre und Leben in den Kreisen der < Zsuden allenthalben nicht längst klar geworden ist, die Kluft zwischen der Lehre von einst im jüdischen Zeremonialgesetze und dem Leben von heute, das die Einhaltung auch nur eines Teiles desselben nur mit Opfern und Entsagung ermöglicht. Die Arbeits- und Geschäftsruhe am Sabbath, die Speisegesetze, die Ehegesetzgebung in ihrer heutigen Verfassung bilden feste Bestandteile des jüdischen Religionsgesetzes in so länge, als Talmud und Schulchan-Aruch uneingeschränkt die offiziellen Religions-Gesetzbücher der Juden bilden. Sabbath- und Speisegesetze aber werden heute in den israelitischen Gemeinden westlicher Kultur nur noch von den Wenigsten beobachtet, in vielen Landgemeinden ist des Rabbiners Haus das einzige mit „ritueller" Küche, die Gemeinden der Großstädte ergänzen die Zahl ihrer rituellen Küchen drrch die Einwanderung von Galizien und Rußland; die Ehegesetzgebnng erzeugt tagtäglich Konflikte mit dem Staatsgesetze in Ländern wie Deutschland und Ungarn mit standesamtlicher Trauung, wobei der Rabbiner nolensvolens beide Augen zudrücken muß. Das übliche unglückselige Hineinlesen in Bibel» Talmud und Schulchan-Aruch, das Auslegen und ähnliche den ernsten, wissenschaftlichen Denker eigentümlich anmutende Experimente,, helfen hier garnichts, denn der Wortlaut entscheidet und nach diesem hat jeder, der Sabbath- oder Speisegrsetze Übertritt, als sündhafter Jude betrachtet zu werden; ja, muß sich konsequenter Weise. selbst als solchen betrachten. Er hat sich gegen das bestehende jüdische Religionsgesetz vergangen, Der Rabbiner, von dem Staat und Gemeinde mit bestem Rechte verlangen, )aß er auf der Höhe moderner Bildung stehe, er wird von den Gemeinden als Stardsäule, als Erinnerungs-Denkmal der alten Zeit zu peinlicher Beobachtung desselben ZeremonialgesetzeS aufgestellt, über das sich oft die ganze Gemeinde mit überlegener Miene hinwegsetzt. Der Rabbiner vertritt die alte Lehre, die Gemeinde das moderne Leben. Eine unerhörte Halbheit! Des Judentums „Seelsorger" sind keine Günstlinge Gottes mit Spezialpflichten für's Zeremoniell-des himmlischen Hofhaltes, sie sind Juden wie jeder eine ihrer Gemeinde, mit den gleichen Pflichten und Rechten. Was ihm verboten, ist auch allen anderen verbö en, was allen gestattet, auch ihm erlaubt. Gilt das alte

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