Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Journal
- Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Volume
- 24 (1904)
- Issue
- Heft 1 (1.1.1904)
- Date
- 1904-01-01
- Page
- Seite 18 (sequence 20)
- Language
- German
- Belongs to
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wie gezeigt wird, nicht bloß für die Gesundheit, sondern auch für die Sittlichkeit der Kinder höchst verderblich. Es ist kein Wunder, daß so ausgewachsene Menschen sich vor einer regelmäßigen körperlichen Arbeit zu drücken suchen, wogegen sie wahre Hungerkünstler werden. Dabei läßt dieses Erziehungssystem die Leute in der polnischen und ~ deutsche» Sprache ganz ohne Unterricht, sodaß sie im Lebe» faktisch als Analphabeten dastehen. Noch ärger als das Leben der Männer ist das der Frauen; sehr groß, und zwar in ultra-orthodoxen Kreisen ist unter ihnen die Unsittlichkeit. Ein beträchtlicher Teil der Bevölkerung gehört dem Chassidismus an; mit seinem geistlosen Ritual und seiner Gesetzesdeutelei ist er eine große moralische Gefahr. Neuerdings hat auch der Zionismus in Galizien eine gewaltige Propaganda entfaltet und ist sehr verbreitet. Seinem realen Werte indessen spricht die eine der Verfasserinnen, die der aufrüttelnden Tätigkeit der Zionisten übrigens volle Gerechtigkeit widerfahren läßt, das Urteil »mit den Worten: „So wie das Volk heute beschaffen ist, kann es noch nicht als Nation leben, es kann noch nicht arbeiten, und cs ist noch nicht einmal reif genug, einzusehen, was es lernen muß." Die galizischen Juden arbeiten zu lehren, ist die Hauptaufgabe jeder Hilfsaktion, die c ihnen gewidmet werden kann. Bon den Vorschlägen, zu denen die beiden Ver- E fasserinnen gelangen, sind daher die, welche sich mit der Erziehung beschäftigen, die l wichtigsten Ohne Hilfe von außen geht es freilich nicht, denn sich selber zu helfen, i sind die Leute nicht imstande. — In Kaiserslautern wurde eine Bne-Brith-Loge \ «Julius Plotke Loge" gegründet. — Die Knltilsgemeinde Nürnberg wurde durch i die ^Hochherzigkeit des verstorbenen Herrn War Seim und seiner noch lebenden Ge»?. mahlin, Frau Elise Heim in Frankfurt a. M.. um eine gemeinnützige Institution : reicher. Ans dem Nachlasse des Herrn Max Heim wurde durch Testamentsbestimm-; ung der jüdischen Gemeinde ein Kapital von Mk. 125.000 zur Errichtung eines israel. Mädchenstiftes ,übergeben, welches den Zweck hat, herangewachsenen und einer geeigneten Häuslichkeit entbehrenden israel. Mädchen, die sich in Nürnberg oder in näherer Umgebung dieser Stadt einem ehrenhaften Berufe widmen, den Schutz t eines gesitteten und geordneten Hauswesens zu gewähren, sowie auch, falls die Mittel dazu ausreichen, die Gelegenheit zur Fortbildung zu verschaffen. — Der Mitarbeiter an den „Monumenta Germaniae Instorira" Dr. Wilhelm l’fiuifoti hat sich als Privatdozent für Geschichte des Mittelalters »ud geschichtliche Hilfswissenschaften an der Universität Kann habilitiert. — Dem sächsischen Landtage ist - u. a. ein Gesetz über die israelitischen Religionsgemeinden zugegangcn, wodurch das - bisher bestehende Gesetz über die Religionsühüng der Juden vom Jahre 1837 aufgehoben werden soll. Nach dem Gesetze haben die israelitischen Religionsgemeinden die Aufgabe, die zur Pflege des israelitischen Kultus erforderlichen Anstalten und Einrichtungen zu treffen und zu unterhalten. Zu diesem Zwecke haben sie ua. das Recht, unter staatlicher Aufsicht Bethäuser und Begräbnisplätze einzurichten, Rabbiner und sonstige Religionsdiener anzunehmen, gottesdienstliche Zusammenkünfte