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Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen · 1904-01-01 · Heft 1 (1.1.1904) · p. Seite 14

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Journal
Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
Volume
24 (1904)
Issue
Heft 1 (1.1.1904)
Date
1904-01-01
Page
Seite 14 (sequence 16)
Language
German
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14 des Rabbi und seine Pferde zu beivunderu — natürlich gegen gute Bezahlung. Durch diese Spazierfahrt zwingt er seine Anhänger zu Ausgaben, die manchem sehr sauer ankommen. Denn keiner von ihnen, der nur noch etwas Geld in der Tasche Hat, wird es sich nehmen lassen mitzufahren, wenn er auch dann hungern müßte. Auch ich ließ es mir sticht nehmen, mitzufahren, und ich muß gestehen, der Rabbi hat gar keinen schlechten Geschmack. In einein reizenden Tale, das von der wildschäumenden Bistritz dmchströmt und von hohen Karpathen-Ausläufern eingeschlvssen Run konnte ich zum ersten Male das Angesicht des Rabbi ohl unangenehm gewesen sein, daß ich ihn so scharf fixierte; ist, machten ivir halt, sehen. Es mag ihm u Da kam denn er blickte immer und iinmer wieder auf mich. Er spazierte umher und erteilte einer aus Odessa. Er hatte eine Fischpachtung daselbst. Audienzen. Dies Jahr sind die Fische im Preise sehr gefallen. Voriges Jahr habe er das Vierfache verdient. Der Rabbi soll ein Wort sagen, damit auch dieses Jahr gut »'kündigte sich genau nach den Arten, den Preisen der Fische, abläuft. Der Rabbi , der Art des Verkaufs, gerissene», von langen dem Verdienst, den sie trotzdem abiverfen, das alles in ab- Pansen unterbrochene» Sätzen. Den eigentlichen Bescheid / sollte sich der Mann erst am Abend holen. Dann kam eiy zweiter, vom Fieber geplagter Mann- Der Rabbi fühlte den Puls imd -schüttelte bedenklich das Haupt. „Ich fürchte um dich," war sei» Ausspruch. (Der Rabbi hat nämlich das Vorrecht, auch die ältesten Leute mit „du" anzureden, während diese kaum ihren Blick zu ihn: zu erhebe» wagen.) Dann rief er mich zu sich und erkundigte sich genau nach meiner Familie, die ihm sehr gut bekannt zu sein schien. Ich muß jedoch gestehen, daß ich mich fürchtete, in dieser Einöde, umgeben von fanatischen Leuten, ein Bekenntnis meines Glaubens abzulegen. G. beschämte mich noch an demselben Abend. Der Zweck meines Mitfahrens war jedoch nicht der Rabbi selbst, sondern sei» jüngster Schwiegersohn, von dem in Jassy und auch in Bdie Rede geht, daß er ein Missionar d. h. ein Christ sei. Hinter diese Rede ivollte ich so gerne kommen und hielt mich deswegen immer dicht bei dem-Schwiegersohn, der voni Rabbi ganz besonderer Beachtung gewürdigt war- Erst bei der Heimfahrt gelang es G. mit ihm einige Worte zu wechseln und ihn um eine Audienz in seiner eignen Wohnung für sich und mich zu bitten, was für den Abend gewährt wurde. Ich kanncs mir nicht versagen, das Leben in Bnoch mehr zu beschreiben, da dies mit in den Rahmen meiner Erlebnisse hinein gehört. Beim Eintritt ins - Beth hamidrasch ivird inan durch den Schmutz der vielen zugereisten Anhänger des Rabbi, die sich im Orte niedergelassen, und von Bettelei leben, während Frau und Kinder zu Hause darben, überrascht. Es sind ganz zudringliche Bettler, ebenso >vie . der Chasan (Kantor), der. Haus-Schochet (Schlächter) u. a in. Am zudringlichsten sind aber des Rabbis Kinder und Enkel selbst, von denen jedes stets einen jungen Mann zur Begleitung hat, den es selbst ernähren muß. Sie drängen sich a» jeden

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