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Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen · 1904-01-01 · Heft 1 (1.1.1904) · p. Seite 13

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Journal
Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
Volume
24 (1904)
Issue
Heft 1 (1.1.1904)
Date
1904-01-01
Page
Seite 13 (sequence 15)
Language
German
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ihnen fand, bis Ieiner das Schweigen brach und sagte: „Ich will Ihnen antworten: Sie haben rechts ein ohne Nachdenken gesprochenes Gebet hat keinen Wert, isst eine Null, aber eine Null wenigstens ist es. Wenn aber auch unsere Gebete das ganze Jahr hindurch nur eine Null neben die andere setzen, so haben wir doch einen großen Versöhnungstag, an dem gewißlich jeder von Herzen betet — dann setzt sich die Eins vor all die Nullen, und es gibt doch eine große Zahl " Ein Witz als Antwort auf eine ernste Frage, die das Geivissen getroffen! Doch genug hiermit, um Bann ein wenig zu.charakterisieren, der auf den Juden, sonderlich oder der Sekte der Frommen, d. h. der Anhänger der Wunder rabbinen liegt. Zur Vervollständigung des Bildes gehörte mindestens noch ein Blick in das grenzenlöse soziale Elend, durch das die grausame Vernachlässigung des weiblichen Geschlechtes, das weder zu beten, noch überhaupt in der Religion etwas zu * wissen braucht, »!.'ch auch wirtschaftlich herangebildet wird, sich bitter rächt. den furchtbaren den Chassidim Missionar Gott lieb beim Wunderrabbi in B. „Freitag Abend bin ich von B. zurückgekehrt Was ich daselbst und aus dem Wege erfahren habe, werde ich kaum alles niederznschreiben imstande sein. Aber ich freue mich fefrrj daß ich mitgcsahren bin, sowohl um G.'s willen, als auch um meinetwillen. Ich habe schon mehrere Zaddikim (Wunder-Rabbiner) kennen gelernt, aber immer vv^l Neuem muß ich mich über den Aberglauben und die Menschenvergötternug vo^i seiten der Anhänger und über die Beutelschneiderei von seiten der „Wundertäter" wunder». B. ist ciiu elendes Nest, wie fast alle Orte, in denen solche Rabbiner sich ansiedeln. Der Sein Name ist Rabbi daselbst genießt das höchste Ansehen i» ganz Rumänien. CH-, weswegen er auch sein palastartiges Gebäude in der Form eines'hebräischeis Eh, des Anfangsbuchstabes seines Namens, aufbaue» ließ. Seine und seiner Söhne und Schwiegersöhne Wohnungen sind mit allem Luxus und Komfort ausgestattet Kostbare Teppiche bedecken nicht nur den ganzen Fußboden, sondern auch alle Wänhe Doch ivozu die Ausmalung dieser Herrlichkeiten! Ein einziger Blick auf den Räbbi genügt, um zu erkennen, daß er den Freuden dieser Welt durchaus nicht abhold, daß die Askese in seinem Hause ein fremder Gast ist. Ich habe noch keinen so bijcfen Wunderrabbi gesehen. Er sieht sehr klug, oder vielmehr schlau, | verschmitzt aus. i Seine Lebensweise ist fast für jeden Tag dieselbe. Bor 4 Uhr ] nachmittags kan» er von keinem Fremden gesehen werden. Um zehn Uhr morgens fängt das Mor^engebet an. Ob er bis dahin gefastet, will ich dahingestellt sein lassen; sein Aufsehen läßt so etwas nicht vermuten. Das Gebet dauert bis 2 Uhr nachmittags undjzivar in einem Zimmer »eben dem Beth hamidrajch, dem allgemeinen Bethause, natürlich ungesehen von allen Leuten. Um 4 Uhr macht er bei schönem Wetter eine Spazierfahrt, und ich brauche nicht erst zu sagen, daß seine Pferde die schönsten in der ganzen Gegend sind. Sein Kutscher lud mich ein. die Stallungen

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