Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Journal
- Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Volume
- 24 (1904)
- Issue
- Heft 1 (1.1.1904)
- Date
- 1904-01-01
- Page
- Seite 10 (sequence 12)
- Language
- German
- Belongs to
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10 Johann Gottfried v. Kerder über Juden und Judentum. „Israel war und ist das ausgezeichnetste Volk der Erde", schreibt Herder in seinen Ideen zur Geschichte der Menschheit, „in seinem Ursprung und Fortleben bis ans den heutigen Tag, in seinem Glück und Unglück, in Fehlern und Vorzügen, in seiner Niedrigkeit und Hoheit so einzig, so sonderbar, daß ich die Geschichte, die Art, die Existenz dieses Volkes für den ausgemachtesten Beweis der Wunder und Schriften halte, die wir von ihm haben und wissen. So etwas läßt sich nicht erdichten, solche Geschichte, mit Allem was d'ran hängt und davon abhängt, kurz, ein solches Volk läßt sich nicht erlügen. Seine noch unvollendete Führung ist das größte Poem der Zeiten und geht wahrscheinlich noch bis zur Entwicklung des letzten, »och unberührten Knotens aller Erdnationen hinaus." „Dieses sonderbarste Volk hat die sonderbarsten Bücher, ein Volk, dessen Religion und Geschichte ganz von Gott abhängt, hat auch Bücher, der Art: Des Geistes, jene Dinge, sind auch diesen, diese aus jenen entstanden und Alles ist im Grunde nur Eins. Ein Gepräge, ein Charakter, eine Beurkundignng aller Zeiten, ihr Name ist „das Volk Gottes". „Wo ist ein herzliches Volk", ruft er an einer anderen Stelle, in den „Briefen, dos Studium der Theologie betreffend", aus, „wo ist ein so herzliches Volk, zu dem die Götter sich nahten, wie der Herr diesem Volke? Wo ist ein so herzliches Volk, das so gerechte Sitten und Gebote hatte, wie diese Gottesgebote waren?" „Wer, heißt es weiter, übertraf einen /Spinoza an Cvnsegueuz, die er in ein System der Moral und Politik, ja auch Ler Theologie brachte? Einen Orobio, Pinto, so manche treffliche Parabeln und Aussprüche der Rabbiner, ivird irgend ein Verständiger sie ohne Achtung lesen? Dem Pöbel der Schriftsteller zwar, waren oft die siiinreichsteil Parabeln aus Haß und Verkehrtheit bald lächerlich, bald verächtlich. Warum aber? — Weil er in ihnen den Sinn nicht faßte und sich a» die oft kindisch scheinenden Einkleidungen mutwillig hielt." „Wo der Rabbi am scharfsinnigsten war, ivurde er am Dümmsten genannt, wo er den feinsten Witz anbrachte, ein rasender Schwärmer; man machte lächerlich, was man hin und wieder gar nicht verstand, und indem man den schönen glänzenden Staub auf dem Flügel des Schmetterlings mit groben Händen augreifen, ja sogar zersägen und zerteilen wollte, ging der Schmetterling und seine Flügel verloren und besudelte sich nur die Hände." (Herder. Geist der hebräischen Poesie.)