Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Journal
- Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Volume
- 24 (1904)
- Issue
- Heft 1 (1.1.1904)
- Date
- 1904-01-01
- Page
- Seite 7 (sequence 9)
- Language
- German
- Belongs to
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euch gegen sie!" —I Was nützt es wenn einzelne von uns zu hohe» Ehren kommen und dadurch nach Äußcn hin das Judentum glänzend vertreten, oder durch großen Reichtum, den sie ererbt oder erworben, helfend in die Schranken treten, wo grenzenlose Not und Elenh plötzlich auftreten wenn einige von uns zu den Leuchten der Wissenschaft zählen, j oder wenn Vereine mit den edelsten Bestrebungen alles aufvieten. um die in geistigen^ und moralischein Pfuhl verkommenden Glaubensgenossen herauf zu ziehen; wenn all^r Orten Vereine entstehen, die Traditionen der Ahnen zu pstegen und die Mission Israels zu predigen, wenn sich Verbände aller Art gründen um die sittliche und soziale Wohlfahrt des gesamten Judentums zu fordern und zu beleben : wenn sich ideale, von hohen sittlichen Grundsätzen durchdrungene Männer und Frauen aus Ost »sid West und Süd und Nord znsainme» scharen „um den Verfolgten eine rechtlich gesicherte Heimstätte in Zion zu"gründen", wenn aller Orten Vereine und Verbände all und jeglicher Art gegründet werden mit Unsummen von Geld und geistiger Kraft? Was nützte es dem Judentum, ivas wird es nützen? Nicht allzu viel, denn was hier aufgebaut wird, wird dort niedergerissen. Fürwahr wir erkennen eS geijne an, daß das Judentum sich auf sich selbst besinnt, daß man anfängt den jüdischen Namen als einen solchen zu betrachten, dessen man sich nicht zu schämen braucht. — Indessen! Schaut hin, ivendet eure Blicke wohin ihr wollt, überall Zank und Hader, Parteisucht, Scheelsucht! Das ist es, was uns schwächt. Das ist es. was den Einsichtige» mit Bangen erfüllt, der alte Erbfehler, der den Tempel in Asche dahin sinkest ließ, und Israel so oft, ach so oft in Trauer und Not versetzte. Da reden hie Priester und Lehrer in Israel, die Hüter der heiligen Lehre von Liebe und Eintracht und wie sieht's im eigenen Lager aus?! Kamps und nichts als Kampf uui nichtige Dinge. Sie werfe» den Andersgläubigen vor, daß sie die Gebote Jesu, der die Liebe im Geiste seines angestammten Glaubens predigt (3 M. 18—10) sticht befolgen. Wie steht's im eignen Lager? Bekämpfen sie sich nicht unter Einander wie Barbaren niit vergifteten Pfeilen? In kleinen und großen Gemeimvesen überall Parteiung Kamps und Zwist, Kämpfe, die oft msi den schärfsten, nicht immer reine» Waffen geführt werden und meist mit unversöbhlichem Hasse der Parteien endigen. Sehr bedauerlich, betrübend für den. der die währe Lehre Gottes in sich ausgenommen, der den Kern und Inhalt derselben sich zu eio^en gemacht hat sind die Streitigkeiten zwischen Orthodoxen und Liberalen und den verschiedenen anderen religiösen Richtungen im Judentum. Der Zionisntus so anerkennenswert auch das Motiv seiner Bestrebungen ist, hat neuen Zwiespalt in die ohnedies schon genug gefährdete Einheit des Judentums gebracht und wird niemals im Stande sein sie herbei zu führen. Ja selbst im Lager dieser ideal Gesinnten und man dürfte eigentlich annehmen, Selbstlosen herrscht der Kampf der Meinungen lebhaft und führt allenthalben zu Parteiung und Wirrwarr.