Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Journal
- Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Volume
- 23 (1903)
- Issue
- Heft 12 (1.12.1903)
- Date
- 1903-12-01
- Page
- Seite 278 (sequence 16)
- Language
- German
- Belongs to
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278 Warum erwählte Gott den Hirten David zum Könige über Israel? — fragt der Midrasch. *) -- Weil er die Schafe liebevoll geweidet. Er führte zuerst die jüngsten oikf die Wiese, damit sie das noch ganz zarte Gras zu fressen bekämen, dann die Ältesten, damit sie das mittlere Gras noch vorfünden, dann ^evd^Kdie bereits erstarkten Jungen, daß sie daS bereits gehärtete, aber ^hkKn^ zusätzliche! und verdauliche Gras verzehrten. Da sprach Gott, wer seine Tiere so mitfühlend nach ihren Bedürfnissen und Kräften zu behandeln versteht, der . komme und weide mein Volk. — Auch Moseh, fährt der Midrasch fort, ward deshalb zum Führer Israels erkoren, weil er schon als Hirte Jethro's ein zärtliches Mitgefühl auch für di: Tiere bekundete. Einst entlief ihm ein Böcklein — er stürmt ihm nach und siehe da, das Tier war in einen Wald gelaufen und hielt an einer Quelle, um senen Durst zu löschen. Wie das der Hirte gewahrt, ruft er voll Innigkeit:;£> d l, mein geliebtes Tier, ich wußte gar nicht, daß du wegen quälenden Durstes enttaufett — und er nimmt es zärtlich in seine Arme und trägt eS zur Heerde zurück. Unterwegs aber erscheint ihm Gotk und spricht: Du, der du so viel Liebe für ifie Tiere eines Anderen bekundet, du sollst auch meine Kinder weidenj j Lassen S>e mich Ihnen, noch zwei Äußerungen nennen, in denen, wie in zwei Brennpunkten, die Merkmale gesammelt erscheinen, die den idealen Geist deS Talmud ausmachen. Den Rpbbi Nachsinja b Hakana fragten seine Schüler, wieso er sein hohes Alter erreicht. .Da antwortete er ihnen: Ich habe nie meine Ehre gesucht in der Schmach meines Nächst ch, und wenn meines Nächsten Betragen mir einen feindseligen Wunsch gegen ihn eingegeben, der feindselige Wunsch bestieg nie mein Bette mit mir, und drittens: ich war freigebig mit meinem Vermögen. (Megilla 28.) Und Rab. Adda bar Achawa erwiderte auf eine ähnliche Frage: Ich war immer eifrig int Besuche deS Gotteshauses und im Studium der Gotteslehre. Ich schritt nie hochmütig zwischen meinen Mitmenschen einher, bezeichnete nie einen Menschen mit unwürdigem Namen, freute mich nie über des Nächsten Beschämung, legte mich nie chit bösen Regungen gegen einen Nebenmenschen auf mein Nachtlager, vermied es immer, Eirem der mein Schuldner war, aus der Straße zu begegnen» und in meinem Haus,! ließ ich nur Sanftmut und Milde walten. (Jerusch. Taanith 3. Vgl. auch Labil das. 20.) Meine Hochgeehrten! Nachdem Sie mir bisher mit Ihrem freundlichen Interesse gefolgt, besitzen Sie auch den Schlüssel für die Lösung, eines Rätsels. Es betrifft die hohe Autorität, die der Talmud nächst der Bibel erlangen konnte- Das Grundprinzip, oi lS welchem diese Autorität ursprünglich hervorgegangm, ist ja klar. Es lautet *) Schemoth rabla 2. : . Demselben heiligen Ursprung, welchen die schriftliche Lehre