Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Journal
- Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Volume
- 23 (1903)
- Issue
- Heft 12 (1.12.1903)
- Date
- 1903-12-01
- Page
- Seite 277 (sequence 15)
- Language
- German
- Belongs to
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So widerfuhr einst den Arbeitern des Rabba bar bar Chama dar geschick, daß sie ihm ein mit köstlichem Weine gefüllter Faß zerbrachen. Da er ihnen die Mäntel weg. Sie aber gingen zom Schuloberhaupte Rab mb klagten sich darüber. „Gib ihnen die Mäntel wieder!" befahl Rab. Ist dchb t Recht? entgegnete Rabba. »Ja wohl", beschied ihm jener, »denn eS heisi sollst wandeln auf dem Wege der Gütigen." Da gab er ihnen die MänÄ Sie aber, damit nicht zufrieden, verlangten mit Hinweis auf ihre Plage «hd Ls Dürftigkeit auch ihren Lohn. „Gib ihnen auch ihren Lohn!", befahl Rab. -ZW etwa da-Rechtens, fragte Rabba? „Jawohl!" beschied ihm Rab, »denn eheißt: Halte ein" die Pfade der Edlen!" (Lad. inez. 83.) Der Mensch im idealen Geiste der Talmud sucht überhaupt durch Lieb^ nicht durch Schroffheit oder Schneidigkeit — wie man auch heute sagt — auf btt Menschen zu wirken und zu sich zu erheben. Von der rühmende« Schilderung T>Ä. milden Hille! gegenüber dem herben Schammrei, habe ich schon früher sprochen. Hier noch ein Beispiel aus späterer Zeit. In Rabbi Sera'S Naö. . schaft wohnten böse Menschen. Aber der Rabbi verkehrte nichtsdestoweniger liebes' voll mit ihnen, sodaß er seine Genoffen ihm verdachten. Als dann R. Sera starb, wehklagten die Nachbarn, daß der heimgegangen, der immer so liebreichj für sie' eingetreten, und ihr ganzer fernerer Lebenswandel zeigte, wie nachhaltig gut er mH seiner Liebe auf sie eingewirkt. (Sanhedrin 37.) Und wie gegen die Menschen, so verfährt der Mensch im idealen Geiste bet* Talmud auch gegen die Tiere gütig und liebevoll. Der Talmud verbietet Grund einer Reihe biblischer Vorschriften — an vielen Stellen jede Art von Tierquälerei. Er fordert, ehe man selber ißt, den Tieren ihre Nahrung f«/ geben,*) daß man selbst den Sabbath entweihe, um Tiere von Leiden zu befreien.**)^ Tierkämpfe, Jagden, wie sie heute selbst in denjenigen Gegenden unbeanstandet in denen man die jüdische Schlachtart aus angeblicher Tierliebe untersagt, fmb' nach dem Talmud streng verpönt.***) Der Patriarch R. Juda litt wäh«>K 13 Jahren an einem schülerhaften Übel; er trug es aber mit Demut, alSe«e Strafe dafür, daß er einst einem zur Schlachtbank geführten Kalbe, das ihm mittig angeblickt, zugerufen: Gehe nur, denn dazu bist du geschaffen! Als ob» später einmal seine Tochter ihr in den Weg kommende Tierchen töten wollte, riW ihr der Rabbi zu: Laß sie am Leben! denn so heißt eS: Sein Erbarmen ist allen seinen Geschöpfen. Von dieser Zeit an hörte sein Leiden auf. (Lad; maz. 85g| Jeruschalmi'Lilaj. 9.) , *) Beraeh 39. **) Sabb. 128. ***) Siehe die Stellen in Hamburger's Real-Eneyelopädie.